„Das Gehirn liebt Herausforderungen“

von Redaktion

Stadtführerin und Gedächtnistrainerin organisieren besondere Führungen durch München

Unvergessliche Führung: Stadtführerin Liane Reithofer (l.) und Gedächtnistrainerin Eva Nowak auf dem Alten Peter.

München – Ewa Nowak ist Gedächtnistrainerin. Gemeinsam mit der Stadtführerin Liane Reithofer bietet sie in München unvergessliche Führungen an. Sie gibt den Teilnehmern nützliche Tipps, um sich Zahlen und Fakten besser zu merken. Und diese Techniken funktionieren natürlich auch im Alltag. Im Interview verrät die Münchnerin, wie wir unserem Gehirn helfen können, sich Dinge besser zu merken.

Warum lassen sich historische Stadtführungen und Gedächtnistraining so gut kombinieren?

Mir ist aufgefallen, wie oft ich bei Stadtführungen versucht habe, mir bestimmte Fakten oder Jahreszahlen zu merken. Und trotzdem ist nach zwei, drei Wochen vieles wieder vergessen. So entstand die Idee. Wir können Führungen für Touristen oder Einheimische in München noch interessanter machen, wenn wir sie mit Merktechniken kombinieren. München hat mehr zu bieten als das Oktoberfest. Es wäre schön, wenn sich Menschen an die wichtigen Persönlichkeiten und Ereignisse der Stadt erinnern könnten.

Wer ist Ihre Zielgruppe? Vor allem ältere Menschen? Oder können auch Jugendliche profitieren?

Sowohl als auch. Jugendliche, Erwachsene, Firmen, touristische Gruppen. Natürlich ist unser Angebot etwas zeitintensiver. Um Merktechniken bei einer Stadtführung anwenden zu können, muss man sie ja erst mal kennen. Wir bieten verschiedene Trainingsmodule an, jeweils 90 Minuten als Online-Training. Dabei erkläre ich, welche Merktechniken es gibt und wie man sie nutzt. Der zweite Teil ist die zweistündige Stadtführung, die Liane Reithofer übernimmt. Dabei helfe ich, die Merktechniken unterwegs anzuwenden.

Haben Sie ein Beispiel für eine Strategie, um sich Fakten besser zu merken?

Unser Gehirn ist aus drei Teilen aufgebaut: ein Ultrakurzzeitgedächtnis, ein Kurzzeitgedächtnis und ein Langzeitgedächtnis. Wir nehmen alle Informationen über unsere Sinnesorgane auf. Diese Informationen müssen ins Kurzzeitgedächtnis kommen. Dort werden sie sortiert, bearbeitet und teilweise ins Langzeitgedächtnis weitergeleitet. Wir können unserem Gehirn helfen, wenn wir Informationen ein bisschen ordnen. Zum Beispiel, in dem wir sie in Gruppen sortieren. Bei Zahlen ist ein Bildersystem hilfreich. Jeder Zahl wird ein Symbol zugeordnet Die Eins ist zum Beispiel eine Kerze, die Zwei ein Schwan. Wenn wir uns diese Bilder vorstellen, bleiben uns Zahlen viel leichter in Erinnerung. Wir können uns daraus zum Beispiel eine Geschichte erstellen. Das ist aber nur eine von vielen Merktechniken. Jede braucht ein bisschen Übung.

Lassen sich Ihre Tipps für die Stadtführung auch im Alltag anwenden?

Natürlich. Unser Gehirn kann sich im Schnitt etwa sieben Dinge gut merken. Sind wir gestresst, wird es weniger. Trainieren wir gezielt, wird es mehr – neun oder sogar zehn Dinge sind dann locker möglich. Das Gehirn ist plastisch und liebt Herausforderungen. Das eigentliche Problem: Wir trauen uns oft nicht, uns auf unser Gedächtnis zu verlassen und greifen lieber zum Zettel – dabei lohnt es sich, öfter auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen.

Die unvergesslichen Stadtführungen

kosten pro Person 35 Euro (2 Stunden Führung, 1,5 Stunden Online-Gedächtnistraining). Sie können auf der Seite www.synapse-akademie.de/shop (E-Mail: info@synapse-akademie.de) oder über die Münchner Volkshochschule gebucht werden. Gruppengröße: sechs bis 15 Personen.

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