DAS PORTRÄT

Der digitale Gipfelstürmer aus dem Eiskanal

von Redaktion

Max Burghartswieser aus Berchtesgaden. © kp

In den späten 1990er-Jahren rutschte Maximilian Burghartswieser auf dem staubigen Boden herum, den Oberkörper tief in die Eingeweide grauer Computertürme versenkt. Damals schraubte er Platinen fest und bändigte widerspenstige Kabel. In diesem kleinen Raum in Maria Gern in Berchtesgaden begann vor 30 Jahren seine unternehmerische Reise. Heute leitet der 59-Jährige das IT-Systemhaus MBCom mit siebzehn Angestellten. Das Systemhaus führt den Mittelstand im Berchtesgadener Land und der Region durch die digitale Transformation.

Wer die Erfolgsgeschichte verstehen will, muss jedoch weiter zurückgehen, und zwar in den olympischen Eiskanal von Calgary im Jahr 1988. Als Mitglied des Nationalkaders im Rennrodeln belegte Burghartswieser bei den Olympischen Winterspielen den dreizehnten Platz im Einsitzer. Der Sport habe ihn den präzisen Umgang mit Geschwindigkeit und die absolute Fokussierung gelehrt, erinnert er sich. Nach dem Abschied vom Eiskanal machte er eine Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann, und wenig später wollte sogar Microsoft den jungen Programmierer abwerben. Doch Burghartswieser lehnte ab. Zu tief ist er im Berchtesgadener Land verwurzelt. Außerdem hatte er auch schon erste eigene Kunden im Nebengewerbe. Für ihn erwies sich dieser Entschluss als Glücksfall. Aus dem Einmannbetrieb, der anfangs digitale Unterkunftsverzeichnisse und die ersten Webseiten für Kurgastgeber programmierte, hat sich bis heute ein moderner Vollsortimenter entwickelt. Über automatisierte Dienstleistungen überwacht das Unternehmen die Netzwerke seiner Kunden proaktiv.

Das Kundenspektrum reicht vom kleinen Handwerksbetrieb mit fünf Angestellten bis zum etablierten Mittelständler mit 500 Beschäftigten. Wie die digitale Transformation in der Praxis aussieht, zeigt ein Projekt für den Chiemgauer Bio-Tee-Hersteller Bioteaque. Für das Unternehmen automatisierte das Berchtesgadener Team unter anderem die gesamte Kette von der Online-Bestellung bis zur Logistik im Versand.

Die Dezentralisierung lebt das Systemhaus übrigens längst selbst vor. Die siebzehn Mitarbeiter arbeiten weitgehend digital und teils auch über die Bundesrepublik verteilt von Kiel bis Merseburg – alles koordiniert aus der Zentrale an der Königsseer Straße. KILIAN PFEIFFER

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