Ein alter Spucktopf für mehr Hygiene.
Wirtshauskultur: Der „Grüne Baum“ ist nicht nur ein Museum, sondern auch ein geselliger Ort. © Markus Wittenzellner (3)
Historische Bierkrüge gehören zu den wichtigsten Exponaten des Wirtshausmuseums.
Bachhausen – Wo früher Kühe im Stall standen, sitzen heute Gäste bei Brotzeit und Bier. Zwischen alten Steinkrügen, Schafkopftischen und historischen Wirtshausschildern wird dort Geschichte lebendig. Was wie ein über Jahrzehnte gewachsenes Heimatmuseum wirkt, begann mit einer Sammelleidenschaft – und einer spontanen Idee. „Mein ganzer Keller war ein Wirtshaus“, sagt Armin Dietz. Seit mehr als 30 Jahren sammelt der 64-Jährige historische Gegenstände rund um die bayerische Wirtshauskultur. Eigentlich wollte er schon lange einen alten Gasthof kaufen, fand aber nichts Bezahlbares. Den Traum hatte er fast aufgegeben, als seine Tochter 2014 ein altes Bauernhaus in Bachhausen im Kreis Neumarkt in der Oberpfalz entdeckte.
„Das Anwesen stammt etwa aus dem Jahr 1800 und war fast schon eine Ruine“, sagt Dietz. Dennoch kam ihm beim ersten Blick in den ehemaligen Kuhstall eine Idee: „Ich habe mir gedacht, dass hier doch eine kleine Wirtschaft perfekt hineinpassen würde – und meine Sammlung gleich dazu.“
Vier Jahre lang wurde das Anwesen renoviert und restauriert. Vieles geschah in Eigenleistung, manches mit Unterstützung von Handwerksbetrieben. 2018 eröffnete schließlich das Wirtshaus „Zum Grünen Baum“ mit angeschlossenem, frei zugänglichem Museum. Inzwischen umfasst die Sammlung rund 2000 Exponate. Zur Eröffnung waren es noch 800. Neben historischen Krügen, Trinkhörnern, Flaschenöffnern und Schnitzereien finden sich in der Ausstellung auch kuriose Stücke. Etwa ein sogenannter Spuckkasten aus dem 19. Jahrhundert. Solche Behälter dienten in Wirtshäusern dazu, beim Tabakkauen oder Rauchen ausgespuckten Speichel aufzufangen.
Das älteste Exponat ist ein Bierkrug aus der Zeit um 1800. Neue Stücke kauft Dietz bis heute, allerdings nur, wenn sie mindestens aus der Vorkriegszeit stammen oder eine außergewöhnliche Geschichte erzählen. Denn ihm geht es darum, Geschichten zu bewahren. Viele Ausstellungsstücke erinnern an eine Zeit, in der das Dorfwirtshaus Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens war. Oft hatten Bauern ihren eigenen Bierkrug, der dauerhaft im Wirtshaus aufbewahrt wurde. „An der Ausgestaltung des Kruges konnte man sogar erkennen, wie wohlhabend jemand war“, erklärt Dietz.
Beruflich hatte Dietz ursprünglich nichts mit der Gastronomie zu tun. Der gebürtige Franke arbeitet bis heute im technischen Vertrieb für die Automobil- und Medizintechnik. Das Wirtshaus betreibt er am Wochenende im Nebenerwerb – aus Überzeugung. Unterstützt wird er dabei von seiner Familie. Zusätzlich ist eine Mitarbeiterin beschäftigt.
Die rund 100 Einwohner von Bachhausen nahmen den „Grünen Baum“ von Anfang an gut an. Heute kommen die Besucher aber längst nicht mehr nur aus dem Ort. Immer wieder entdecken Radfahrer das Wirtshaus auf ihren Touren entlang des Rhein-Main-Donau-Kanals. Andere reisen gezielt wegen des Museums an. Werbung macht Dietz kaum. „Das läuft über Mundpropaganda“, sagt er. Der „Grüne Baum“ ist mittlerweile zu einem festen Ort der Begegnung geworden. Neben einer monatlichen Schafkopfrunde gibt es auch einen festen Abend, an dem in der Wirtshausstube Gesellschaftsspiele gespielt werden. Auch ein Männergesangsverein aus dem nahe gelegenen Sulzbürg trifft sich hier zu Proben.
Für seinen Einsatz erhielt Dietz vor einigen Jahren die Auszeichnung „Bayerischer Stammtischbruder“. Der Preis wird vom Verein zur Förderung der bayerischen Wirtshaustradition vergeben. Besonders freut Dietz, dass mit ihm erstmals ein Nebenerwerbsgastwirt diese Ehrung erhielt.
In wenigen Monaten geht der 64-Jährige in Rente. Dann bleibt mehr Zeit für Museum und Wirtschaft. Wie lange er beides noch selbst betreiben wird, weiß Dietz nicht. „Irgendwann ist Schluss“, sagt er.MARKUS WITTENZELLNER