DAS PORTRÄT

Die gute Seele am Beckenrand

von Redaktion

Sandra Friesinger aus Aßling. © Rossmann

Sandra Friesinger greift routiniert in den Verbandsschrank und fischt Desinfektionsspray, Pflaster und eine Packung Gummibärli heraus. Gleich trocknen die Tränen des kleinen Mädchens im pinkfarbenen Badeanzug mit Schmetterlingen. Sie ist gestürzt und hat sich das Knie aufgeschürft. Wie man nach so einem Unfall tröstet, weiß Sandra Friesinger genau. Schon seit fast 13 Jahren steht die Aßlingerin im Grafinger Freibad am Beckenrand. „Ein paar Schürfwunden, Kreislaufprobleme und mal eine Platzwunde“, zählt die Betriebsleiterin die häufigsten Blessuren auf.

Friesinger steht direkt neben der 50-Meter-Schwimmbahn. Um sie herum flitzen drei Jugendliche am Beckenrand entlang, ein Bub springt schreiend per Arschbombe ins kristallklare Wasser, während zwei ältere Damen in einem abgetrennten Abschnitt seelenruhig ihre Bahnen kraulen. „Wenn ich heimkomme, dröhnt mir oft der Kopf“, erzählt Friesinger vom ganz alltäglichen Lärmpegel in ihrem Berufsalltag. Mal ganz abgesehen von Sonne und Hitze, die man freilich gut aushalten muss. Wie viele Liter Sonnencreme sie in dieser Zeit schon verschmiert hat, weiß sie gar nicht. Einige Packungen mit Lichtschutzfaktor 50 seien es bestimmt gewesen, heute Pflicht für alle Fachangestellten für Bäderbetriebe, wie der Bademeister-Beruf offiziell heißt.

Bis zu 3500 Menschen besuchen Liegewiesen und die kühlen Becken. Da den Überblick zu bewahren, strengt an. „Ich schaue, ob jeder Kopf über Wasser ist und sich bewegt“, betont Friesinger, während ihr Blick rüber zum Sprungturm schweift. Vier fixe Bademeisterposten gibt es im Bad, allesamt mit einem knallroten UV-Schutz-Schirm ausgestattet. „An besonders vollen Tagen sind alle besetzt.“ Zu einem dieser Posten gehört auch die Brücke zwischen Kinder- und Sprungbecken. Von hier hat Friesinger den besten Blick – auch auf die gegenüberliegende Rutsche. Den Unfallschwerpunkt im Freibad. Regelmäßig zieht sie hier Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Kopfplatzwunden oder auch mal einem ausgeschlagenen Zahn aus dem Wasser. „Viele knallen gegeneinander, weil sie nicht warten, bis der Weg frei ist“, erzählt sie. „Auf dem Bauch rutschen ist außerdem verboten“ – eben wegen der großen Verletzungsgefahr am abgewinkelten, metallenen Ablauf hinunter ins Nass. Der Großteil der Badegäste aber sei brav. Dann stören nur lästige Wespen das Idyll. Aber auch im Versorgen von Insektenstichen ist Friesinger Meisterin. Eine geviertelte Zwiebel aus dem Kühlfach und ein Packerl Gummibärli wirken Wunder.ANNA LIEBELT

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