Wo das Wasser knapp wird

von Redaktion

Flüsse mit neuen Niedrigstwerten – Tankwagen für Bad Bayersoien

Staubtrocken: das Bett des Starzelbachs bei Eichenau. © Helmut Klövekorn

Wasser marsch: In Lengenwang im Allgäu musste im Juli Trinkwasser mit Lkw angeliefert werden. Mittlerweile hat sich die Lage entspannt. © Gemeinde Lengenwang

München – Dramatisieren will Florian Klein, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts München, die Lage nicht. Aber: „Es ist außergewöhnlich.“ Die Hitze, die Trockenheit, der fast überall ausbleibende Regen. Grundwasserstände gehen zurück, an Pegeln gibt es neue absolute Niedrigstwerte. Und auch wenn die Trinkwasserversorgung generell gesichert ist, wie die Versorger betonen: In einzelnen Gemeinden müssen Tankwagen Trinkwasser anliefern. Ein Situationsbericht.

Grundwasser

Am Niedrigwasser-Lagebericht, den das Landesamt für Umwelt herausgibt, lässt sich die Situation Tag für Tag ablesen. 94 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und 76 Prozent der Messstellen an tieferen Grundwasserstockwerken zeigen derzeit (Stichtag 3. August) niedrige Verhältnisse an. Dies entspricht dem mit Abstand niedrigsten Wert der vergangenen fünf Jahre, wie das Landesamt für Umwelt (LfU) mitteilte. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr zeigten nur 34 Prozent der Messstellen derart niedrige Grundwasserwerte an, im regenreichen Jahr 2024 waren es gar nur 7 Prozent.

Die Grundwasserneubildung komme seit etlichen Jahren nicht hinterher, sagt Klein. Das Grundwasser sackt ab. Dabei ist es regional ganz unterschiedlich. Am Pegel Siegertsbrunn 2 südostlich von München etwa ist das Grundwasser relativ weit unter dem Boden, im Durchschnitt stößt man erst in 29,5 Metern Tiefe auf Wasser. In den vergangenen Wochen ist es aber um über drei Meter abgesunken, am Dienstag auf 32,78 Meter. Am Pegel Feldgeding (Kreis Dachau) stößt man im Normalfall schon in 2,50 Metern Tiefe auf Wasser. Jetzt sind es 2,90 Meter. Das mag wenig erscheinen, für das Wasserwirtschaftsamt ist es aber ein neuer absoluter Niedrigstwert.

Bayernweit gab es von 2003 bis 2025 ein mittleres jährliches Defizit von rund 15 Prozent bei der Grundwasserneubildung. Zwar habe das nasse Jahr 2024 zu einer vorübergehenden Erholung geführt. Das war jedoch „nicht nachhaltig, sodass sich das Defizit in der Grundwasserneubildung nach dem Trockenjahr 2025 erneut vergrößert hat“, so das LfU.

Trinkwasser

Engpässe bei der Trinkwasser-Versorgung sind Florian Klein vom Wasserwirtschaftsamt München, das auch für die angrenzenden Landkreise zuständig ist, nicht bekannt. Bad Bayersoien (Kreis Garmisch-Partenkirchen) allerdings lässt Trinkwasser aus den Nachbargemeinden Bad Kohlgrub und Rottenbuch mit einem zum Wassertransporter umfunktionierten Milchlaster herankarren – weit über 100 Fahrten sind es schon, pro Tag kostet das 1000 Euro, wie Bürgermeister Eberhard Steiner in einer Extra-Bürgerversammlung berichtete. Der eigene Brunnen liefert nur 190 Kubikmeter am Tag, gebraucht werden aber 360 Kubik, manchmal auch mehr. Wie im Juli in München ist in der Gemeinde nun das Befüllen privater Pools verboten, ebenso die Bewässerung von Rasen sowie Gießen von Beeten zwischen 9 und 19 Uhr. Die Verfügung gilt bis 1. September. Auch in Lengenwang im Allgäu wurde im Juli Wasser per Tankwagen angeliefert. Mittlerweile wurde ein Wassernotverbund per provisorischer Rohrleitung mit Marktoberdorf hergestellt, sagt Bürgermeister Peter Hartl. Die Adelburggruppe, die 15 Gemeinden in den Kreisen Fürstenfeldbruck, Aichach-Friedberg und Dachau versorgt, bat vor dem Wochenende dringend um Wassersparen. Wohl dank der Sommerferien – viele potenzielle Wasserverbraucher sind verreist – seien nun aber „unsere größten Befürchtungen ausgeblieben“. Geschäftsführer Marcus Bitzl mag am liebsten gar nichts mehr sagen, er spricht von Panikmache. Nur so viel: Es gebe jetzt eine „Entspannungsphase“.

Die Flüsse

Die Anzahl der Messstellen, die neue Niedrigstwerte des Abflusses erfassen, nimmt immer weiter zu. 120 Messstellen (67 Prozent) wiesen am Dienstag „sehr niedrige“ Werte auf, auch an Donau, Isar, Inn und Amper. Phasenweise führen Flüsse aber auch Wasser in normaler Höhe, so etwa am Dienstag die Isar bei Freising. Sieben Pegel im Freistaat (vier Prozent) melden neue Niedrigstwerte. Darunter sind Pegel an der Fränkischen Saale, der Schwäbischen Rezat am am Weißen Regen.

Keine Messstellen gibt es an den vielen Gewässern dritter Ordnung, also den Bächen. Etliche sind zuletzt ganz trocken gefallen.DIRK WALTER

Artikel 1 von 11