Hermann Ostler von der Stepberg-Alm. © Privat/Fellner
Die Blaueishütte versorgt der Helikopter mit Trinkwasser. Anderen Hütten bringt er mobile Toiletten. © dpa/privat
Berchtesgaden/Spitzingsee – Hermann und Elisabeth Ostler schützen jeden Tropfen Wasser. 5000 Liter fasst ihr Tank. Aber bei all den trockenen Bachläufen unterhalb des Kramers ist es in diesem Hitzesommer nur eine Frage der Zeit, bis auch die Quelle ihrer Stepberg-Alm im Kreis Garmisch-Partenkirchen versiegt. Auf die sind nicht nur die Wirtsleute angewiesen, auch 52 Kühe und Schafe. „In der Küche haben wir den Wasserverbrauch im Blick. In den Gästetoiletten läuft der Hahn aber gerne mal durchgehend“, sagt Hermann Ostler. Heuer, im 37. Almsommer, muss der 60-Jährige erstmals durchgreifen: Die Damentoilette bleibt vorerst geschlossen. Alle Gäste teilen sich eine Toilette und ein Pissoir. Mögliche Wartezeiten sollen „Pritscheleien“ – die Frischkur nach dem Aufstieg – verhindern, hofft der Wirt.
Nicht nur im Werdenfelser Land, überall sind Almen und Berghütten massiv von Wasserknappheit betroffen. „Wir haben auf fast allen Hütten derzeit Mangellagen, da werden die unterschiedlichsten Maßnahmen ergriffen“, sagt Julian Rohn, Sprecher beim Deutschen Alpenverein. Um den Küchenbetrieb aufrechterhalten zu können, wird etwa das Trinkwasser auf der Blaueishütte bei Berchtesgaden derzeit per Hubschrauber geliefert. „Wir müssen leider unsere Waschräume geschlossen halten und können Trinkwasser nur in PET-Flaschen gegen Gebühr abgeben“, teilen die Hüttenbetreiber zudem online mit.
Die rund 320 Hütten des Deutschen Alpenvereins werden zumeist durch Schmelzwasser und Niederschläge versorgt. Ersteres wird durch den Klimawandel weniger. „Wir haben noch nie den Fall gehabt, dass die Quellen nicht mehr geschüttet haben. Das ist heuer das erste Mal der Fall“, schildert Gabi Schieder-Moderegger, Vorsitzende der DAV-Sektion Berchtesgaden. Sie habe sich zwar darauf eingestellt, weil schon im Frühjahr statt reißender Bäche nur Rinnsale die Hänge hinabgeflossen seien. „Dass das aber so schnell geht, innerhalb einer Woche, damit haben wir nicht gerechnet.“
Die Sparmaßnahmen tragen die meisten Gäste jetzt mit Fassung. „Aber dann gibt es immer noch die, die sich aufregen, warum es keine Dusche gibt oder dass sie für Trinkwasser zahlen müssen.“ Vier Euro pro Liter. „Die Wirte müssen das mit dem Heli hochfliegen“, betont Schieder-Moderegger. „31 Euro kostet die Minute, der Anflug 600 Euro.“
Andernorts in den Berchtesgadener Alpen hat die Sektion mobile Baustellen-Toiletten auf den Berg fliegen lassen, etwa aufs Kärlingerhaus am Funtensee. Fäkalien werden ohne die übliche Flüssigkeit in die Kläranlage der Hütte gepumpt. „Duschen ist bei uns Luxus: Da das Wasser aufwendig aufbereitet und erhitzt wird, kostet die Duschmarke entsprechend sechs Euro“, steht schon in Zeiten ohne eingeflogene Dixies auf der Website der Hütte geschrieben.
Auch am Watzmannhaus und auf der Falkenhütte sind die Waschräume gesperrt oder nur kurze Zeit für Übernachtungsgäste geöffnet, erklärt Markus Block von der Sektion München Oberland: „Tagesgäste können zwar noch aufs Klo gehen, aber es steht nur Desinfektionsmittel bereit.“ Was die Trockenperiode nach drei schneearmen Wintern anrichtet, erschreckt die Verantwortlichen. „Die Saison ist jung, gut zweieinhalb Monate stehen noch bevor. Wir wollen Bergsportler ja nicht wegschicken, müssen sie aber für die Wassernot sensibilisieren.“ Hinweisschilder an Waschbecken reichten lange nicht mehr, Wirte müssten aktiv ermahnen. „Ein Spülgang frisst drei bis sieben Liter Wasser. Das Watzmannhaus, Störhaus und die Knorrhütte werden bis nächstes Jahr auf Trockentoiletten umgerüstet.“ Der Klimawandel bringt auch die Katzenwäsche zurück. Ohne Regen bleiben Auffang- und Aufbereitungsanlagen trocken. „Noch sind vor allem höher gelegene Hütten betroffen“, sagt Block. „Auf unserer Albert-Link-Hütte und der Schönfeldhütte im Spitzingseegebiet kostet die Dusche aber schon jetzt fünf Euro – als Zeichen, dass Wasser auf Hütten ein Luxus ist.“CORNELIA SCHRAMM ELKE RICHTER