Prepper-Lager im Karwendel

von Redaktion

Einen Teil des Mülls schnallten sich die Soldaten auf den Rücken und trugen ihn ins Tal.

Einige der schweren Fässer wurden auf Mulis geschnallt und so aus dem steilen Gelände abtransportiert. © Bundeswehr (2)

Bad Tölz – Ein Jäger hat vergangenen Sommer eine Meldung bei der unteren Naturschutzbehörde im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen gemacht, die das Landratsamt vor eine gewaltige Herausforderung stellte. Er hatte im Karwendel im südlichen Teil des Landkreises neun große blaue Fässer entdeckt. Ein Zufallsfund, mitten im Naturschutzgebiet. Die Fässer waren gut versteckt – und lagen dort schon sehr lange Zeit. Offenbar hatte ein Prepper in dem schwer zugänglichen und sehr steilen Gelände ein Lager angelegt. In den Fässern befanden sich Medikamente, Batterien, ein Schlafsack, Hundefutter, ein Zelt, ein Feldbett und jede Menge Lebensmittel – die waren teilweise bereits 2014 abgelaufen.

Es gibt keine Hinweise, wer das Lager dort eingerichtet haben könnte – geschweige denn, wie es dem Prepper gelungen ist, die Fässer nach oben auf den Berg zu transportieren. Der Rücktransport nach unten jedenfalls war alles andere als einfach. Denn das Gelände ist mit Fahrzeugen nicht erreichbar. Und die Behälter waren viel zu schwer für einen langen Abtransport zu Fuß. Deshalb haben sie noch ein weiteres Jahr im Karwendel gelegen. Bis jemand im Landratsamt die rettende Idee hatte. Denn die Behörde bekommt regelmäßig Meldungen über Leistungsmärsche der Bundeswehr. „Wir haben auf den nächsten Termin in unserer Region gewartet – und dann die Bundeswehr um Unterstützung gebeten“, berichtet eine Sprecherin.

Ende Juli war es so weit: Das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen in Bad Reichenhall schickte eine Einheit ins Karwendel. Bei diesen Leistungsmärschen trainiert die Bundeswehr für den Kampf im schwierigen und extremen Gelände. 40 Soldatinnen und Soldaten waren beteiligt – sowie 25 Tiere, in erster Linie Maultiere, aber auch drei Haflinger und ein Esel. Sie halfen beim Abtransport der Fässer. Einen Teil des Prepper-Lagers trugen die Soldaten auf dem Rücken durch das bergige Gebiet. Teilweise setzten sie auch Seilzüge und Kraxen ein, um die Fässer steile Abhänge hinunterzutransportieren.

Etwa vier Kilometer brachte die Bundeswehr den Müll nach unten – bis zu einem befahrbaren Feldweg. Dort wartete ein Kleintransporter, den das Landratsamt organisiert hatte. Er brachte die Fässer und deren Inhalt zum Entsorgungszentrum nach Greiling. Die ganze Aktion dauerte einen Tag. Benedikt Pfaller, Organisator im Landratsamt, ist den Soldaten sehr dankbar für die unkomplizierte Unterstützung und den professionellen Einsatz. „Ohne die Hilfe der Bundeswehr hätte diese Maßnahme nicht in der gleichen Qualität und Effizienz durchgeführt werden können“, betont er.

Auch wenn der Müll jetzt abtransport wurde, ist der Fall für die Behörde noch nicht ganz abgeschlossen. Zu viele Fragen sind noch offen. Außerdem ist es verboten, Müll oder andere Gegenstände im Naturschutzgebiet abzuladen. Deshalb hofft die Naturschutzbehörde nun auf Zeugen, die etwas beobachtet haben (Hinweise unter umwelt@lra-toelz.de). Große Hoffnungen macht sie sich aber nicht. Nicht nur das Verfallsdatum der Lebensmittel deutet darauf hin, dass die Fässer schon sehr lange im Karwendel versteckt lagen.

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