Muschel-Alarm im Thumsee

von Redaktion

Ungewöhnliche Besiedelung – die Art ist unbekannt

Taucher steigen in den Thumsee. Dort gibt es plötzlich viele Muscheln – ob es sich um die Quaggamuschel handelt, ist nicht geklärt. © Pfeiffer

Bad Reichenhall – Seit einigen Tagen fischen Kinder im Thumsee bei Bad Reichenhall nach Muscheln. Allerdings weiß niemand genau, um welche Art Muscheln es sich handelt – nur, dass sie dort eigentlich nicht sein sollten. „Für den Thumsee liegen keine Daten zur Muschelbesiedelung vor, da er nicht Bestandteil des bayerischen Routinemonitorings ist”, sagt Sprecherin des Landesamt für Umwelt (LfU). Amtlich beprobt werden in Bayern nur 49 große Seen, die nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie berichtspflichtig sind. Meist findet eine Beprobung alle drei Jahre statt. Der Thumsee gehört nicht dazu, ebenso wenig der Königssee: Der gilt als zu kalt für eine Besiedelung, zudem ist die touristische Nutzung durch Wassersportgeräte dort gering. Am Thumsee ist es umgekehrt. Boote und vor allem Stand-up-Paddle-Boards bevölkern den See im Sommer jeden Tag zu Dutzenden und schaffen damit genau die Transportwege, über die invasive Muschelarten von See zu See wandern. Die mikroskopisch kleinen Larven haften an feuchten Oberflächen und überstehen so den Wechsel von einem See zum nächsten. Schon ein paar Tropfen in einer Schlauchbootritze reichen aus. Genau das macht den Boom von Stand-up-Paddleboards, Kanus und Foilboards, mit denen der Thumsee im Sommer zunehmend bevölkert ist, zum ökologischen Risikofaktor.

Verlässlich unterscheiden lassen sich die beiden Arten ohnehin nur mit Aufwand. Laut LfU bräuchte es in einem frühen Stadium der Besiedlung eine genetische Untersuchung, später zumindest die Begutachtung mehrerer Exemplare durch einen Muschelspezialisten. Was Kinder und Badegäste am Thumsee zwischen den Fingern halten, ist damit fachlich betrachtet bislang wenig mehr als ein Fund ohne amtliche Einordnung.

Im Bodensee wurde die Quaggamuschel 2016 erstmals nachgewiesen, ein Jahr später hatte sie sich explosionsartig ausgebreitet. Heute besiedelt sie den gesamten See bis in 250 Meter Tiefe, in Dichten von teils mehreren tausend Exemplaren pro Quadratmeter. Laut LfU sind in Bayern bislang Quaggamuscheln in Rothsee, Chiemsee, Starnberger See, Ammersee, Ilsesee und dem Bodensee nachgewiesen. Eine Bekämpfung ist kaum möglich.KP

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