Esel Fritz mit den Reisers bei der Premiere von „Tyll“. © BJU
Oberammergau – Esel Fritz war im Passionstheater in Oberammergau im Kreis Garmisch-Partenkirchen mehr als nur ein tierisches Requisit. Er war der heimliche Star von Christian Stückls Inszenierung „Tyll“, der diesjährigen Sommerproduktion. Vier Tage nach seinem letzten Auftritt aber ist der Esel gestorben. Daheim in Farchant war er mit zwei Artgenossen durch einen defekten Zaun ausgebüxt und auf die Hauptstraße gerannt. Einem Autofahrer war es nicht mehr gelungen, zu bremsen. Fritz wurde beim Aufprall über das Auto geschleudert und blieb querschnittsgelähmt liegen.
Fritz‘ Besitzer Andreas Reiser ereilte die Nachricht um 3.10 Uhr in der Nacht. Für den Esel gab es keine Rettung mehr: „Man konnte ihn nur noch erlösen.“ Nicht nur der 47-Jährige war geschockt, auch seine Frau und die drei Kinder, die mit dem Tier aufgewachsen sind. Vor zwölf Jahren trat Fritz unerwartet in ihr Leben: Freunde schenkten ihn den Reisers zur Hochzeit. Fortan begleitete er die Familie auf Bergtouren, Kindergeburtstagen oder Faschingsveranstaltungen. Unter Menschen zu sein, war der Esel gewohnt. Genau das qualifizierte ihn auch für die Auftritte im Passionstheater.
Fritz hatte schnell die Zuneigung des Ensembles gewonnen. An Streicheleinheiten mangelte es ihm nie, Gelbe Rüben wurden extra für ihn geschält. „Er war total lieb und brav“, erzählt Frederik Mayet, Geschäftsführer der Passionstheater GmbH und zweimaliger Jesus-Darsteller. Ein echter Pfundskerl, der das besondere „Passionsfeeling“ verbreitete. Etwa, wenn er mit Reiser in den Pausen zur Eisdiele spazierte und Kinderaugen zum Leuchten brachte.MANUELA SCHAUER