Wie ein Mann das Volksfest rettete

von Redaktion

In Ebersberg hat gestern die Volksfest-Zeit begonnen. Unser Foto wurde vergangenen Sommer aufgenommen. © SRO

Ebersberg – Beinahe wäre es mit der Volksfest-Tradition in Ebersberg im Jahr 2009 vorbei gewesen. Beim Wirt in Oberndorf tranken die letzten Unterstützer ein „Leichenbier“, erinnert sich Sepp Riedl. „Das war wirklich schlimm.“ Das Volksfest hatte 1948 mit der Genehmigung der amerikanischen Militärverwaltung als „Bauerntag“ begonnen – vor 17 Jahren schien es, als wäre es damit vorbei. Das Fest galt als unattraktiv und überaltert. „Es kamen keine Besucher mehr und die damaligen Organisatoren wollten sich zurückziehen“, erzählt Sepp Riedl.

Er war damals zweiter Bürgermeister – und zum ersten Mal als fünfjähriger Bub auf dem Volksfest gewesen. „Das konnte ich nicht zulassen, ich musste etwas machen.“ Also brachte er neuen Schwung in den Volksfestverein Ebersberg, der das Fest seit 1952 organisiert hatte. Riedl trommelte anfangs zwölf Leute zusammen – und dann 250 Volksfestbegeisterte. „Wir haben alle unsere Bekannten angeworben“, erzählt er. Heute zählt der Volksfestverein sogar 1870 Mitglieder und ist aus Ebersberg nicht mehr wegzudenken. Der Jahresbeitrag kostet 20 Euro. „Unser Volksfest schweißt die Stadt zusammen. Alle treffen sich, ohne sich vorher verabreden zu müssen“, sagt er. Denn Volksfeste haben in Riedls Augen eine „extrem soziale Komponente und stützen unsere Demokratie, indem sie das Wir-Gefühl stärken“.

Damit sich auch alle Ebersberger die elf Tage voller Festlichkeiten leisten können, braucht es vernünftige Bierpreise, betont er. Auf die hat Riedl geachtet – heuer kostet die Mass 11,15 Euro. Die Einladung zum Senioren-Nachmittag finanzieren je zur Hälfte die Stadt und der Volksfestverein, und für die Ebersberger Kindergartenkinder gibt es am Kindernachmittag ein Gutscheinbuch im Wert von zehn Euro für Attraktionen wie Entenangeln, Schiffsschaukel, Kettenkarussell.

Auch bei der Jugend spürt Riedl wieder mehr Anerkennung für Tracht und Tradition. „Und wenn sie mit Schnaps und Baseballkappen kommen, dann sage ich ihnen: Wenn ihr morgen wiederkommt, in Lederhosen und ohne Schnaps, dann kriegt jeder von mir eine Mass Bier.“ Meistens funktioniert das – und meistens werden die Jugendlichen dann Teil der Volksfest-Familie und manchmal sogar Mitglied im Volksfest-Verein.

Damit die Tradition weitergeht, hat der 74-jährige Sepp Riedl schon mit der Suche nach einem Nachfolger für den Vereinsvorsitz begonnen. Es gibt nur eine Bedingung: „Es muss jemand sein, der für das Volksfest und die Tradition brennt – so wie ich und meine Mitstreiter.“

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