München – Bei der Autobahn GmbH ist die Salzburger Autobahn A8 seit Jahrzehnten ein Dauerthema. Stück für Stück sollte die 90 Jahre alte A8 von Rosenheim bis zur Landesgrenze auf drei Spuren plus Standstreifen verbreitert werden. Für die ersten Abschnitte bis zum Chiemsee ist das auch weiter geplant, teils gibt es schon Planfeststellungsverfahren. Doch die Planung für das letzte, circa 40 Kilometer lange Stück wurde nun gestoppt. „Wir haben das, abgestimmt mit dem Bundesverkehrsministerium, zurückgestellt“, sagt Sprecher Josef Seebacher unserer Zeitung. Man müsse „auf dem Boden der Tatsachen bleiben“. Der Ausbau wäre „in der Restlebensdauer“ der Autobahn nicht mehr zu bewerkstelligen gewesen. Nun soll es lediglich einen neuen Standstreifen geben, mit einem Ausbaustandard, der optional auch das Fahren nach Seitenstreifenfreigabe zulässt.
„Uns läuft die Zeit davon“, sagt Sprecher Seebacher. Nicht nur Fahrbahn und Unterbau sind marode. Die Brücken sind ein Hauptproblem. 82 Brücken an der A8 stammen aus der Zeit um 1936. „Und die Mehrzahl davon ist im Abschnitt Grabenstätt bis Landesgrenze.“ Die Brücken werden erneuert, Unterbau und Fahrbahn saniert. Aber Kurvenradien und Höhenunterschiede bleiben unangetastet. Sieben sogenannte Erhaltungsabschnitte hat die Autobahn GmbH definiert. Grabenstätt bis Bergen und Teisenberg bis Anger/West sollen als Erstes angepackt werden. Die weiteren Abschnitte sind Bergen bis Traunstein/Siegsdorf, dann bis Neunkirchen, dann bis Teisenberg, ferner Anger/West bis Jechling und Jechling bis Landesgrenze.
Noch ist das Projekt „6 plus 2“ (sechs Spuren insgesamt plus zwei Standstreifen) im Bundesverkehrswegeplan eingetragen und somit Gesetz. Doch 2030 steht eine Überarbeitung des Plans an. Ob der Bundestag dann offiziell auf „4 plus 2“ umschwenkt oder den Gesamtausbau als Zukunftsprojekt für „den weiteren Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan belässt, muss man abwarten. So die Haltung in der Autobahn GmbH, die sich politisch rückversichert hat.
Der Bund Naturschutz hat den Ausbau der Salzburger Autobahn seit jeher bekämpft. Gegen die dreispurige Ausbauplanung weiter westlich, zwischen Achenmühle und Bernauer Berg mit einer Einhausung bei Frasdorf, hat der Verband 2024 beim Bundesverwaltungsgericht eine Klimaschutzklage eingereicht, die noch offen ist. Den Ausbaustopp für die letzten 40 Kilometer ab Grabenstätt begrüßt die stellvertretende Vorsitzende Beate Rutkowski. Der BN hat in einer Resolution vorgerechnet, dass die Verkehrsstärke an 330 Tagen unter 70.000 Kfz liegt. Nur an 30 Tagen im Jahr komme es zu Spitzenbelastungen von maximal 97.000 Kfz/Tag. Das rechtfertige nicht den Ausbau, der viel Fläche verschlingen würde. Wermutstropfen für die Anlieger: Der Lärmschutz dürfte eine Nummer kleiner ausfallen als bei einem Vollausbau. Man müsse sich an die rechtlichen Vorgaben halten, sagte Sprecher Seebacher. Trotzdem wolle man Anwohner „bestmöglich“ schützen.DIRK WALTER