Arbeiten am Gipfelkreuz: Franz Schaffner (unten) und Hans Stübl von der Feuerwehr Höslwang. © Hötzelsperger (4)
Die Lichter des Kampenwand-Kreuzes strahlen wieder in die Ferne.
Die restaurierten Lampen fürs Kreuz zeigen die Helfer Leonhard und Manuel Hinterholzer.
Franz Schaffner (r.). und Hermann Schmid beim Bau.
Aschau – Die Geschichte des Kampenwand-Gipfelkreuzes beginnt mit einer Wanderung. Es ist 1948. Franz Schaffner ist erst vor Kurzem aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Auf der Kampenwand entdeckt er ein kaputtes, hölzernes Gipfelkreuz – oder das, was davon übrig ist. Der Blitz hat es getroffen. Es war den Gefallenen des Ersten Weltkriegs gewidmet. Der Anblick tut Schaffner in der Seele weh – und lässt ihn nicht los. Gemeinsam mit seinem Nachbarn Josef Hell, einem Schmiedemeister, lässt er Berechnungen machen, wirbt bei den Gemeinden um Unterstützung für das gigantische Projekt: ein neues Gipfelkreuz für die Kampenwand. Aus Eisen. Zwölf Meter hoch. Allein der Mittelbalken wiegt 600 Kilo. Viele Chiemseer sind skeptisch, ob es überhaupt möglich ist, ein so großes und schweres Kreuz auf den Berg zu bringen.
Doch es gelingt. Schaffner und Hell bitten einen Mann und dessen Sohn um Hilfe, die einen Fuhrbetrieb und Mulis haben und damit auch Bergtransporte machen. Meter für Meter kämpfen sie sich die Serpentinen nach oben. Bis zur Steinlingalm brauchen sie einen ganzen Tag. Dann bauen die Männer einen Seilzug, der mit einem Motor verbunden ist. Rechtzeitig vor dem Wintereinbruch ist alles oben, nach der Schneeschmelze gehen die Arbeiten weiter. Im September 1950 wird das Kampenwand-Kreuz aufgerichtet, tausende Menschen schauen zu. Und im Sommer 1951 wird es mit einer Messe offiziell geweiht. Seitdem findet jedes Jahr oben auf dem Berg eine Gedenkfeier für die Gefallenen und Vermissten des Chiemgaus statt. Dann leuchten jedes Mal die 13 Lampen am Kreuz, die bis weit ins Tal sichtbar sind.
Doch das Kreuz ist nach 75 Jahren in die Jahre gekommen, Wind und Wetter haben Spuren hinterlassen. Besonders die Lampen hatten ein wenig Restaurationsarbeiten nötig. Sie bestehen aus den Scheinwerfergehäusen der ersten VW-Käfer und wurden 1950 zweckentfremdet. Wieder verdankt das Kreuz einem Mann namens Franz Schaffner, dass es zur diesjährigen Gedenkfeier am 30. August so gut aussehen wird. Franz Schaffner junior, der Enkel des Kreuz-Stifters, hat in seiner Werkstatt in Grassau die Metallhülsen entrostet, geschliffen und neu lackiert. Die alten Chromringe waren nicht mehr zu retten, deshalb fertigte der Metallbauer Sepp Fritz neue Edelstahlringe an. Zusammengebaut wurden die Lampen in der Werkstatt von Hartl Hinterholzer – nicht nur Franz Schaffner, sondern auch einige andere Chiemgauer waren daran beteiligt. Anschließend transportierten sie die Lampen zu Fuß von der Steinlingalm aus auf den Berg – wie schon die Generation ihrer Großväter. Nur dass diesmal nicht die Mulis halfen, sondern die Feuerwehr. Oben übernahm das Wartungsteam dann die Montage.
Um Bayerns Gipfelkreuze kümmern sich in den allermeisten Fällen ehrenamtliche, Vereine und Privatpersonen. Oft helfen Bergwacht oder Feuerwehr mit, wenn Kreuze instand gesetzt werden müssen. Im Berchtesgadener Land half neulich sogar ein Hubschrauber aus Österreich. Der Karkopf hatte ein neues Kreuz gebraucht. Ein Mitglied der Weihnachtsschützen Winkl, die das Kreuz 1949 errichten ließen, hatte das über Kontakte organisiert. Der Heli transportierte das 600 Kilo schwere Kreuz auf den Gipfel. Oben hatten die Helfer bereits ein 1,30 Meter tiefes Loch gegraben und ein neues Fundament vorbereitet. Auch das Karkopf-Kreuz wird am Sonntag, 30. August, mit einer Messe geweiht.
Warum stecken Menschen so viel Kraft und Energie in Gipfelkreuze? Franz Schaffner kann diese Frage beantworten. Sein Großvater und sein Vater haben dem Kampenwand-Kreuz ihr Leben gewidmet. Nun setzt er diese Tradition fort und kann auch immer neue Helfer für das Wartungsteam gewinnen. Die Gemeinde unterstützt ihn ebenfalls, für die Lampen sammelte sie die nötigen Spenden. Das Kreuz ist ein Symbol für Frieden, Erinnerung und Heimat. Er ist stolz, dass er die Pflege weiterführen darf, sagt der 67-Jährige. „So ein Erbe kriegt nicht jeder.“KWO/HÖ/KP