Der Ansturm auf die Schutzbrillen

von Redaktion

Sonnenfinsternis am Mittwochabend: Optiker warnen vor gefährlicher Strahlung

Begehrte Brille: Optikermeister Roman Gleißner bekommt viele Anfragen. © Oliver Bodmer

München – Augenoptiker Roman Gleißner ist seit Tagen gerüstet. „Wir haben über die Innung 100 Schutzbrillen bestellt“, erklärt er. Drei Euro verlangt er pro Stück. Der 12. August kann kommen. „Wer dann in den Himmel schaut, muss unbedingt eine spezielle Schutzbrille aufsetzen“, warnt der Filialleiter von Optik Stratz in München. Die Brillen müssen das CE-Symbol der Europäischen Union tragen. Die gültige Norm ist DIN EN ISO 12312-2:2015. „Eine normale Sonnenbrille reicht nicht aus.“ Spezielle Schutzbrillen filtern rund 99,9 Prozent des Lichts heraus, erklärt der 63-Jährige. Ohne diese Brillen würde man seine Augen „massiv gefährden“. Auch wenn es während der Sonnenfinsternis (ab 19.23 Uhr) dunkler ist, seien die UV- und Infrarotstrahlung hoch. „Das kann die Netzhaut schädigen.“ Kinderaugen seien besonders schutzbedürftig. Man kann die Schutzbrillen auch über der normalen Brille tragen.

Viele Optiker erleben seit Tagen einen regelrechten Ansturm auf die Sonnenfinsternisbrillen. „Wir haben uns leider nur mit einigen hundert Stück bevorratet“, sagt ein Optiker aus Wolfratshausen. Er hätte allerdings auch einige tausend verkaufen können. Thomas Wedershofen, Optiker in Geretsried, hat 800 Brillen innerhalb von zwei Wochen verkauft – zum Einkaufspreis, wie er betont. „Für mich war das nur Arbeit, kein Gewinn“, sagt er. Im Internet werden die Brillen seit Tagen teils zu horrenden Preisen verkauft. Anne Schraidt, die Filialleiterin bei Fielmann im Tal in München, hat draußen an der Ladentür bereits ein Schild aufgehängt: „Sonnenfinsternis-Brillen sind leider ausverkauft.“

Der Landesinnungsverband der Augenoptiker hat diesen Ansturm auf die Brillen erwartet. „Wir haben unseren Mitglieds-Betrieben ab Mai 60.000 Brillen zum Kauf angeboten“, heißt es. Die seien im Handumdrehen weg gewesen. Noch immer kommen täglich Nachfragen.

Nicht nur bei Bayerns Optikern dreht sich seit einigen Tagen vieles nur noch um die bevorstehende Sonnenfinsternis. Auch viele Astronomen fiebern ihr entgegen. Einer von ihnen ist Michael Rappenglück. Er hat das Phänomen schon mehrmals an verschiedenen Orten der Welt beobachtet. Doch diese ist für den Gilchinger, der die Sternwarte der Fürstenfeldbrucker Volkssternwarte betreut, wirklich außergewöhnlich. Denn sie findet kurz vor Sonnenuntergang statt. Das macht die Beobachtung allerdings auch zur Herausforderung. Wer die Sonnenfinsternis sehen möchte, braucht idealerweise einen erhöhten Standort mit gutem Blick über den Horizont.

Eine Sonnenfinsternis tritt immer bei Neumond ein. Entscheidend ist, dass der Mond gleichzeitig in einem der beiden Schnittpunkte seiner Bahn mit der Erdbahn stehen muss. Nur dann kann sein langer Schatten die Erdoberfläche treffen und damit die Sonne verfinstern, erklärt der Astronomie-Experte Helmut Hornung aus Weilheim. Das passiere relativ selten. Wer die Sonnenfinsternis mit einem Fernglas oder dem Teleskop ansehen will, muss ebenfalls vorsichtig sein, sagt Hornung. Nie ohne Sonnenschutz in die Sonne blicken, warnt er.

Für alle, die keine Brille mehr ergattern konnten, gibt es aber auch etwas zu sehen, sobald die Sonne untergegangen ist: Denn es gibt noch ein anderes Spektakel am Nachthimmel. Die Perseiden-Sternschnuppen werden in der Nacht auf den 13. August mit bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde ihren Höhepunkt erreichen.MAR/NAP/TOG/IWI

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