Norbert und Manuela Stern aus Freising. © Kathrin Kapfer
Längst wissen Manuela und Norbert Stern aus Freising, wovor man sich in Acht nehmen sollte. „Barbarenspieße sind mörderisch“, sagt die 39-Jährige und meint damit die beliebten Schmankerl des Sinnflut-Festivals. Denn die Holz-Stäbchen landen in der Mülltonne und können die Plastik-Mülltüten durchstoßen, die die Sterns aus den Tonnen ziehen. Dabei zerkratzten sie ihr schon mal die Wadl, ihrem Mann pieksten sie in den Rücken. Norbert Stern (66) legt beim Festival seit 18 Jahren Hand an, kennt jeden Schleichweg und schleppt säckeweise Müll zum Containerplatz. Seine Frau ist seit sieben Jahren im Team. Gemeinsam mit zwei Helfern halten sie das Festival-Gelände sauber.
An den Standln kennt man die beiden, die stets für einen kurzen Ratsch zu haben sind. Keiner will sie missen. Sie haben die insgesamt 25 Mülltonnen auf dem Sinnflut-Gelände im Blick und schaffen Platz, wenn‘s an der Zeit ist. „Wir schauen schon, dass die Mülltüten möglichst voll sind, die kosten schließlich auch Geld.“ Mit gekonnten Griffen werden auch Müllsäcke, die nach unten gerutscht und der Abfall darüber verteilt ist, in Position gebracht: Manuela Stern stülpt eine Mülltüte über die Tonne, Norbert Stern kippt die ganze Tonne um. Dass er dafür nur einen Arm zur Verfügung hat, fällt dank der Routine gar nicht auf. Bei einem schweren Motorradunfall vor vielen Jahren hat er seinen linken Arm verloren.
Hauptamtlich arbeiten die Sterns im Caritas Gebrauchtwaren-Kaufhaus Rentabel in Freising, dort haben sie sich auch kennengelernt. Mit den Teilnehmern, die sie anleiten – unter anderem alkohol- und psychisch kranke Personen –, reinigen sie manchmal auch Badeseen oder Spielplätze. Über die Caritas, die früher bei Sinnflut den Mülldienst stellte, kam Norbert Stern zur Festival-Familie. Und ist ihr bis heute treu geblieben. Die Wertschätzung vieler Besucher motiviert ihn sehr. Dafür opfert er sogar seine Freizeit: „Wenn Sinnflut ist, nehme ich mir jedes Mal Urlaub.“KATHRIN KAPFER