Brandschutz für unsere Wälder

von Redaktion

Mehr Eichen und Buchen: Umweltverband fordert schnelleren Umbau

Kampf gegen die Flammen: Die Feuerwehr bei Löscharbeiten am Montag in Hessen. Der Brand hatte sich schon bis nach Bayern ausgebreitet. © Andreas Arnold/dpa

München – Feuer erkennt Staatsgrenzen nicht an. Derzeit kämpfen Einsatzkräfte in Hessen gegen einen Waldbrand auf mehreren zehntausend Quadratmetern. Wegen des hohen Bedarfs an Löschwasser sind die Bürger aufgerufen, den eigenen Verbrauch auf das „absolut Notwendigste“ zu reduzieren. Durch den Wind flammt das Feuer immer wieder auf und griff auch auf bayerisches Gebiet über. Löschhubschrauber konnten dort eine Ausbreitung verhindern.

Wieder apokalyptische Szenen. Vor eineinhalb Wochen brannten Bergwälder im Chiemgau und Berchtesgadener Land. Angesichts dessen ruft der Bund Naturschutz die Politik in München und Berlin zu deutlich größeren Anstrengungen in Sachen Klima- und Naturschutz auf: In Bayern bestünden noch immer mehr als zwei Drittel des Waldes aus Kiefern und Fichten. Die Nadelhölzer, die einst massenhaft gepflanzt wurden, weil sie pflegeleicht und ertragreich sind, halten laut BN Temperaturen von bis zu 40 Grad nicht stand. Der Schutzschirm des bestehenden Nadelwaldes müsse jetzt genutzt werden, um hitzeresistentere Laubbäume wie Eichen und Buchen sowie Edelhölzer wie Ahorn und Kirsche zu pflanzen. Auch die einheimische Weißtanne sei ein „Hoffnungsbaum“, weil sie dank ihrer tiefen Wurzeln Trockenheit und Stürmen trotzt.

„Wenn die Staatsregierung den Waldumbau nicht massiver vorantreibt, drohen uns bald südeuropäische Verhältnisse mit verheerenden Waldbränden“, warnt BN-Landesvorsitzender Martin Geilhufe. „Mischwälder, naturgemäße Bewirtschaftung und mehr Jagd sind der beste Schutz gegen Brände und Waldsterben.“ Daher müsse die Staatsregierung mehr Geld und Personal in Umbau und Jagd investieren. Zwar wurden im Rahmen der „Waldumbauoffensive“ seit 2020 rund 90 Millionen Bäume gepflanzt und etwa 112.000 Hektar Wald in Privat- und Körperschaftswald zu Mischwäldern umgebaut, doch das reiche nicht aus. Selbst, wenn es bis 2030 200.000 Hektar sind, so Geilhufe, würde noch zweimal so viel Fläche auf Umwandlung warten.

Laubbäume speichern viel Feuchtigkeit. Unterschiedliche Baumarten, Altersstufen und Bestandsschichten sorgen in Summe für ein kühleres Waldinnenklima – und das kann die Ausbreitung von Feuern erschweren. Übrigens: Nicht allein extreme Temperaturen erhöhen die Waldbrandgefahr. Vor allem die Dauer von Trockenphasen, die Zahl der Hitzetage und auch durch Menschen verursachte Zündquellen, teilen die Bayerischen Staatsforsten mit. In Jahren mit so geringen Niederschlägen wie heuer ist der Wasserrückhalt im Wald ein weiteres Ziel. „Humusreiche Böden wirken wie natürliche Wasserspeicher“, erklärt Rudolf Plochmann, Vorstand der Staatsforsten. „Zudem legen Förster Feuchtbiotope und Tümpel an, die das Wasser in der Landschaft halten und Lebensraum für viele Arten schaffen.“ 2025 wurden 600 solcher Lebensräume geschaffen und 5,8 Millionen junge, vorwiegend heimische Laubbäume gepflanzt.

Jeder Setzling kostet Geld – und muss vor Rehen und Hirschen beschützt werden. Der Bund Naturschutz fordert deshalb nicht nur, das Wild konsequenter zu bejagen, sondern auch, stärker auf natürliche Waldverjüngung zu setzen: „Eichelhäher säen millionenfach kostenlose Eichen“, sagt Geilhufe. „Und alte Tannen verteilen unzählige Samen, aus denen kleine Keimlinge wachsen, die im Schatten gedeihen und instabile Fichten ersetzen.“

BN-Gründungsmitglied Hubert Weiger würdigt das Engagement der Staatsforsten, Forstverwaltungen und Waldbesitzer. „Die jetzige Situation ist die, vor der wir seit Jahrzehnten gewarnt haben“, sagt der 79-Jährige. „Die Bedrohungslage ist dramatisch. Das bisherige Tempo reicht nicht. Wir müssen beim Waldumbau endlich klotzen statt kleckern.“CORNELIA SCHRAMM

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