Verfüttert seinen Wintervorrat an Heu: Florian Zierer.
Zu fressen gibt‘s hier nichts mehr: Rinder von Florian Zierer auf der verdorrten Weide. © Rainer Lehmann (2)
München/Freising – Vertrocknete Weiden, Futtermangel, Notverkäufe – die Hitze setzt der Landwirtschaft stark zu, vor allem die Rinderhalter sind extrem herausgefordert. Erste Stimmen werden laut, die ein Eingreifen der Politik fordern. „Mich wundert, dass sich Bauernverband und Landwirtschaftsministerium nicht rühren“, sagt Benno Zierer, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler.
Einer, der sich Sorgen macht, ist Florian Zierer. Der Landwirt aus Freising, Ortsteil Kleinbachern, mit dem Abgeordneten weitläufig verwandt, hält Milchkühe und Mastochsen. „Grünfutter gibt es gar nicht mehr“, berichtet er. Aber natürlich: „Meine Tiere verhungern nicht“, betont der Bio-Landwirt. In der Not greift er auf seinen Heuvorrat zurück, der aus dem Grünschnitt vom Frühjahr stammt und eigentlich als Wintervorrat vorgesehen ist. Heu kommt in eine Raufe auf der Weide, Zierer muss täglich auffüllen. Die Ochsen bekommen auch Stroh. „Darunter leidet die Mastleistung“, sagt Zierer, die Tiere werden also später schlachtreif. „Aber es geht nicht anders.“
Unter den Landwirten herrscht Krisenstimmung. „Wenn man von Tölz Richtung München fährt, kann man minütlich zusehen, wie die Landschaft immer brauner wird“, sagt Ursula Fiechtner, Kreisbäuerin Bad Tölz–Wolfratshausen. Maximilian Kranz, Milchbauer aus Dietramszell, berichtet gleichfalls über Mangel an Grünfutter. „Der dritte und vierte Schnitt waren teils schon Totalausfälle“. Auf den Kiesböden, sagt Kranz, „brennt uns das Grünland als Erstes weg.“
Der Abgeordnete Zierer, selbst auch Landwirt, hat eine Idee, wie die Misere zumindest etwas gelindert werden könnte. Schon klar, die Politik könne das Wetter nicht ändern. Aber es gebe stillgelegte Flächen, die man abmähen könne. Nicht überall sei der Boden ausgedörrt, das müsse man nutzen. Ein Problem, das auch Zierer bewusst ist: Etliche Landwirte haben sich vertraglich zu Brachen verpflichtet und bekommen dafür Ausgleichszahlungen aus verschiedenen Vereinbarungen, zum Beispiel aus dem Kulturlandschaftsprogramm, kurz KULAP. Der Bayerische Bauernverband (BBV) hat vorgerechnet, dass teils 1300 Euro pro Hektar im Feuer stehen. „Unser Rat: Lieber Futter zukaufen als Prämie riskieren“, betont der Verband. Denn: „Eine Sonderregelung, die bei Dürre oder Trockenheit eine Futternutzung und weiterhin Prämienzahlung ermöglicht, existiert bei solchen Brachen nicht – und ist auch nicht in Aussicht.“
Genau das aber fordert der Abgeordnete Zierer: In der Not müsse jetzt schnell entschieden werden. „Da muss jetzt eine Notfall-Verordnung her.“ An die Adresse des Agrarministeriums von Michaela Kaniber (CSU) sagt Zierer aufmunternd: „Keine Angst vor Entscheidungen.“ Das allerdings sieht keinen Anlass zum Handeln. Auf Anfrage unserer Zeitung hieß es lediglich, die Informationen des BBV seien „zutreffend und wurden auch so von unserer Seite kommuniziert“. Und weiter: „Die Entscheidung über Zukauf und/oder Beibehaltung der Prämie liegt in der Verantwortung des Betriebes.“
Auch Landwirt Florian Zierer hat für die Bestimmungen des KULAP im Moment wenig Verständnis. „Alles, was grün ist, muss in den Futtertrog“, ist seine Meinung. Es müsse auch erlaubt sein, auf stillgelegten Flächen neu anzusäen. Denn, wer weiß, vielleicht regne es in zwei Wochen, dann wachse hier neues Futter. Er selbst werde wohl „ein paar Tiere mehr als sonst“ verkaufen und hoffe, sich „irgendwie durchzuwurschteln“.DW/CM/FEB