Bodycams für Bahn-Mitarbeiter

von Redaktion

Ein DB-Mitarbeiter trägt eine Bodycam und einen Anstecker mit der Aufschrift „Video“ während eines Gesprächs mit einem Reisenden. © Albert/dpa

Nürnberg – Mittwochnachmittag in einem Regionalexpress Richtung Nürnberg: Fahrgäste geraten in eine lautstarke Auseinandersetzung, eine 56-jährige Zugbegleiterin versucht, dazwischenzugehen. Plötzlich zieht ein 31-Jähriber mit deutscher Staatsangehörigkeit eine Spritze und sticht mehrmals in Richtung der Zugbegleiterin sowie der drei Fahrgäste im Alter von 15, 16 und 25 Jahren. Der 16-Jährige kann dem Angriff im letzten Moment ausweichen. Auch die anderen Beteiligten bleiben unverletzt. Laut Polizei bedroht der 31-Jährige die Gruppe, die Zugbegleiterin verständigt die Bundespolizei. Doch als die Beamten kurz darauf ab Nürnberger Hauptbahnhof einsteigen, hat der Mann den Zug bereits verlassen. Er wurde später an seinem Wohnsitz angetroffen. Gegen ihn wird nun wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung ermittelt.

Im selben Regionalexpress kam es für die Beamten zu einem weiteren Einsatz. Ein 39-jähriger Deutscher, der den 31-Jährigen begleitet haben soll, hatte sich auf seinen entblößten Oberkörper ein Hakenkreuz gemacht. So ging er durch den Zug und zeigte mehreren Fahrgästen den Mittelfinger. Auch gegen ihn wird ermittelt.

Angriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn treffen nicht nur das Sicherheitspersonal oder Zugbegleiter, sondern auch immer wieder Beschäftigte im Bahnhofsservice. Um die Sicherheit nach dem im Juli angekündigten Alkoholverbot weiter zu verbessern, sollen deshalb nun auch Service-Mitarbeitende des Konzerns die Möglichkeit bekommen, eine Bodycam zu tragen. Wie die DB am Donnerstag mitteilte, betrifft das 2700 Kollegen im Bahnhofsservice sowie der Stationsbetreuung.

„Unsere Mitarbeitenden sollen besser geschützt sein“, erklärte die Vorständin Personenbahnhöfe der Bahn-Infrastrukturtochter DB Infrago, Katja Hüske. „Dafür können sie jetzt auch auf eine Bodycam als Teil der persönlichen Schutzausrüstung zugreifen“, erklärte sie. „Nach dem Alkoholkonsumverbot ergänzen wir damit einen weiteren Baustein im Sicherheitskonzept der Bahnhöfe.“ Schrittweise mit Bodycams ausgestattet werden die Mitarbeiter an den Bahnhöfen ab sofort. Die ersten Geräte sind bereits etwa in den Hauptbahnhöfen Frankfurt am Main und Bielefeld im Einsatz, erklärte die Bahn. Die Nutzung bleibt aber freiwillig.

Der Konzern hob hervor, dass die am Körper befestigten Kameras eine „präventive Wirkung“ hätten und „Gewalttaten gegen DB-Mitarbeitende“ verringerten. Zudem dienten die Bodycams „der Deeskalation von Konfliktsituationen“. Mitarbeitende der DB-Sicherheit sind bereits seit Jahren mit Bodycams an den Bahnhöfen unterwegs.

Die Deutsche Bahn treibt derzeit ihre Bemühungen für mehr Sicherheit an Bahnhöfen voran. Im Juli hatte der Konzern angekündigt, bis zum 15. Oktober dieses Jahres schrittweise das Trinken von Alkohol an allen deutschen Bahnhöfen zu verbieten und war damit auf viel Zuspruch gestoßen. „Zu oft mussten wir feststellen, dass dort, wo zu viel Alkohol fließt, auch die Gewalt zunimmt“, erklärte Konzernchefin Evelyn Palla damals.

Die Zahl der Angriffe auf Bahn-Mitarbeitende steigt seit Jahren. „Im ersten Halbjahr 2026 kam es zu 50 Übergriffen gegen Servicemitarbeitende in den Bahnhöfen“, erklärte die Bahn. Rund 300 Mal sind Sicherheitskräfte in Zügen oder am Bahnhof angegriffen worden. In Regionalzügen kam es zu 989 Angriffen auf DB-Mitarbeitende; 22 von ihnen wurden Opfer schwerer Körperverletzungen. Bundesweit Entsetzen ausgelöst hatte der tödliche Angriff auf den 36-jährigen Zugbegleiter eines Regionalzuges in Rheinland-Pfalz im Februar.DPA

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