Viel Kunst, viele Bücher: Soziologe Jürgen Habermas lebte in großen, hellen Räumen. Von außen gleicht die 70er-Jahre-Villa am Starnberger See einem weißen Kubus. © BLfD (2)/dpa
Starnberg – Es ist ein Haus, in dem gelesen, gedacht und geschrieben wurde. Ein Haus, um ein Bücherregal herumgebaut. Hier in Starnberg lebte Jürgen Habermas mit seiner Familie. Im März starb der Soziologe und Philosoph mit 96 Jahren. Nach einer Prüfung hat das Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) das Haus jetzt als Baudenkmal in die bayerische Denkmalliste aufgenommen. Die Villa gilt als bedeutendes architektonisches Zeugnis des Übergangs vom Neofunktionalismus der Nachkriegsmoderne zur Postmoderne.
„Das Haus Habermas ist gebaute Philosophie“, sagt BLfD-Generalkonservator Mathias Pfeil. „Es ist ein herausragendes Zeugnis für das Selbstbild eines der bedeutendsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts.“ Seit seiner Erbauung sei das Gebäude fast unverändert erhalten geblieben und so wichtiges Dokument für „das Bauen und Wohnen des gehobenen Bürgertums“ der 1970er-Jahre. Habermas sei „leidenschaftlicher Verteidiger der demokratischen Vernunft“ gewesen, sagte Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU). Sein Wohnhaus sei „ein besonderer Ort der Geistesgeschichte“. Es mache sichtbar, wie eng Leben und Denken, Raum und Werk für jenen prägenden Philosophen der Gegenwart verbunden waren.
Das Haus liegt als langgestreckter weißer Kubus am Hang. Unregelmäßige Fensteröffnungen mit dunklen Stahlrahmen, das verglaste Garagentor und ein Fenstererker durchbrechen den Baukörper. Drinnen bildet eine Bücherwand die zentrale Achse. Sie verläuft entlang des Wohn- und Essbereichs bis zum Arbeitszimmer, von Kugelpendelleuchten gesäumt. Eine Wendeltreppe aus Beton verbindet drei Stockwerke. Das Haus ist das Erstlingswerk des Münchner Architektenduos Heinz Hilmer und Christoph Sattler. Für die damals jungen Architekten war der Auftrag von Ute und Jürgen Habermas abenteuerlich. Laut dem BLfD liegt der Erhalt des Hauses im Interesse der Allgemeinheit.SCO