Bayern rüstet gegen Drohnen auf

von Redaktion

Innenminister Herrmann: Abwehr soll vor allem an Flughäfen verstärkt werden

Jammer im Anschlag: Drohnen-Experte Christian Steidl sieht Bayern gut aufgestellt. © dpa

Störsender: Der Jammer unterbricht das Funksignal zwischen Drohne und Pilot. © dpa

Aufrüstung: Joachim Herrmann und Christian Steidl (M.) vom DKAZ informieren am Flughafen Nürnberg zur Drohnenabwehr. Die Bedrohung nehme zu, warnt der Minister. © dpa

Nürnberg – Mehr Geld, mehr Technik: Die bayerische Staatsregierung reagiert auf den Vorfall mit der Sprengstoff-Drohne in Leipzig mit einer weiteren Verstärkung der Drohnenabwehr im Freistaat. Bei einem Termin am Freitag am Flughafen Nürnberg kündigte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) an, das im April ins Leben gerufene Drohnenkompetenz- und Abwehrzentrum (DKAZ) in Erding weiter auszubauen. Die Gefahr hybrider Bedrohungen durch den Einsatz von Drohnen werde immer größer, betonte Herrmann.

Tatsächliche oder scheinbare Drohnensichtungen etwa über Flughäfen oder militärischen Einrichtungen nehmen zu. „Täglich“, sagte Herrmann, liefen Berichte ein, wonach es Sichtungen von Flugkörpern irgendwo in Europa gegeben habe. In Bayern wurden im vergangenen Jahr nach Angabe des bayerischen Innenministeriums mehr als 20 Drohnensichtungen über sensiblem Gelände gemeldet, darunter Kasernen in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Regen, aber auch an den Flughäfen Nürnberg und München.

Vor allem am Flughafen München waren die Auswirkungen enorm. Anfang Oktober waren an zwei aufeinanderfolgenden Abenden mutmaßlich Drohnen an Deutschlands zweitgrößtem Airport gesichtet worden. Der Flugverkehr wurde komplett eingestellt. Knapp 10.000 Reisende waren betroffen. Einige von ihnen mussten damals auf Feldbetten und Isomatten in den Terminals übernachten. Mitte Oktober kam es am Flughafen München zu einem erneuten Zwischenfall. Nach einer weiteren mutmaßlichen Drohnensichtung wurde der Flugverkehr zweimal kurzzeitig unterbrochen.

Herrmann erklärte, Bayern werde bei der Drohnenabwehr die technischen Fähigkeiten und die personellen Ressourcen weiter ausbauen. Das DKAZ soll schrittweise auf rund 100 Mitarbeiter anwachsen. „Zugleich werden die Polizeidienststellen an den Flughäfen München, Nürnberg und Memmingen personell weiter verstärkt“, so der Minister. Man setze einen klaren Schwerpunkt auf den Schutz der Flughäfen.

Wichtig sei zudem der gegenseitige Austausch zwischen den Experten der Polizei und Bundeswehr und den Fachleuten aus der privaten Wirtschaft. Gerade in und um München existiert eine international beachtete Start-up-Szene, die sich mit Drohnentechnologie auseinandersetzt.

Hauptaufgabe des DKAZ ist es, den Markt und die technische Entwicklung zu beobachten. Denn: Drohnen entwickeln sich ständig weiter, die Polizei muss versuchen, mit möglichen Angreifern Schritt zu halten. Beispielsweise wird gegenwärtig daran geforscht, wie Drohnen abgeschossen werden können, ohne Kollateralschäden zu verursachen.

Die Furcht vor solchen Schäden, etwa durch herabfallende Teile, ist einer der Gründe, warum ein Abschuss zwar eine theoretische Möglichkeit der Drohnenabwehr darstellt – aber in der Praxis bisher nicht vorkommt. Die Experten der Polizei beschränken sich darauf, die Flugkörper zu erspähen – mit entsprechenden Sichtgeräten auch bei Nacht. Und sie dann etwa mit Störsendern – sogenannten Jammern – unschädlich zu machen. Je nach Programmierung werden die Flugkörper dann zur Landung gezwungen, oder sie fliegen zu ihrem Piloten zurück.

Daneben stehen auch Netzwerfer bereit. „Damit können wir Drohnen aus der Luft holen“, sagt Christian Steidl vom DKAZ. Doch die Reichweite dieser Waffen ist begrenzt. Funkgesteuerte Drohnen können leichter geortet und etwa mit einem Störsender bekämpft werden als LTE-gesteuerte Drohnen. Gegen sie hilft nur Radar, sagen die Experten. Und der kann auch nur die Drohne selbst, nicht aber den Piloten erkennen. „Grundsätzlich gilt: Wir sind sehr gut aufgestellt“, sagt Steidl. Gegen jede denkbare Drohne gebe es mit den vorhandenen Mitteln für die Polizei eine gute Chance. Da seien auch die kampferprobten Experten etwa in der Ukraine kaum voraus. OSS

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