DAS PORTRÄT

Der Fitnesstrainer in Lederhose

von Redaktion

Klaus Reithmeier aus Berchtesgaden. © kp

Es gab diesen einen Moment kürzlich beim Montagstraining, in dem Klaus Reithmeier vor 200 Teilnehmern sagte, dass das Lederhosentraining endgültig eingestellt wird. „Das war das Projekt meines Lebens“, sagte der 42-Jährige, der in München und Berchtesgaden arbeitet. Nach 15 Jahren soll nun am 14. September auf dem Olympiaberg die letzte Einheit stattfinden.

Alles begann, als Reithmeier in seinen 20ern war: Damals drehte er Videos für eine Bauchmuskel-DVD – und zwar in Krachlederner. Um die Produktion bekannter zu machen, verlegte er das Training kurzerhand nach draußen. Aus anfänglich 20 Teilnehmern auf der Schönfeldwiese im Englischen Garten wurden in den Spitzenzeiten knapp 1000. Das Projekt wuchs rasant: Über Kooperationen mit Kommunen, Sportvereinen und Fitnessstudios expandierte die Idee von München aus nach Regensburg, Nürnberg und Berchtesgaden und schließlich sogar bis an norddeutsche Standorte wie Hamburg. Und auch das mediale Echo war enorm: Neben Berichten in Zeitungen und Magazinen trat Reithmeier als Gesundheitsexperte in der ARD auf und absolvierte vor laufender Kamera eine Einheit mit Skisprung-Legende Sven Hannawald. Trotz des Rummels hielt Reithmeier an seinem Grundsatz fest: Das Angebot sollte für alle Menschen kostenfrei bleiben.

Dass das Projekt nun endet, liegt nicht an mangelndem Interesse der Bevölkerung. Die Schlösser- und Seenverwaltung änderte ihre Nutzungspolitik im Englischen Garten. Für die zentral gelegene Wiese gab es keine Genehmigung mehr, die Initiative sollte auf den Nordteil des Parks ausweichen. Ohne den zentralen Standort brachen die Teilnehmerzahlen ein. In der Folge zogen sich die Sponsoren zurück. Auch die spätere Umsiedlung auf den Olympiaberg konnte das Ruder nicht herumreißen. Reithmeier blickt dennoch ohne Groll zurück. Es war das Projekt seines Lebens, und das wird es auch bleiben.KILIAN PFEIFFER

Artikel 1 von 11