Im Hofoldinger Forst stehen schon Windräder: der Blick vom Deisenhofner Forst in Richtung Sauerlach. © SW
Ministerin Reiche untersteht die Bundesnetzagentur. © dpa
„Alle sind losgaloppiert“: Windkümmerer Beermann.
München – Im April war die Genehmigung da. In nur fünf Monaten hatte das Landratsamt Fürstenfeldbruck sämtliche Pläne für die beiden Windräder geprüft, die die Stadtwerke bei Egenhofen bauen wollen. „Das Landratsamt hat sich mächtig ins Zeug gelegt“, lobten die Stadtwerke. Nur: Die beiden Windräder werden vorerst nicht gebaut. Denn bei der jüngsten Ausschreibung der Bundesnetzagentur im Mai bekamen sie keine Vergütungszusage über das Erneuerbare Energien Gesetz EEG. Kein Einzelfall: Das Wirtschaftsministerium von Hubert Aiwanger (Freie Wähler) beklagt, dass der Freistaat in den Ausschreibungen „systematisch unterrepräsentiert ist“. Gleiches gelte für Baden-Württemberg.
Viermal im Jahr gibt es eine solche Ausschreibung. Wer ein Windrad plant, beantragt finanzielle Unterstützung. Ohne Zuschüsse lohnen sich die Anlagen nicht, vor allem nicht im windarmen Süddeutschland.
Tatsächlich fördert die Bundesnetzagentur aktuell extrem wenige Windräder in Bayern. In der Ausschreibungsrunde vom 1. Mai 2026 erhielten laut bayerischem Wirtschaftsministerium 270 von 628 eingereichten Geboten einen Zuschlag. Auf Bayern entfielen nur vier Zuschläge. 2,2 Prozent des bezuschlagten Gesamtvolumens. Dabei planen die Bayern fleißig Windkraftanlagen: 227 genehmigte Anlagen bräuchten noch eine Vergütungszusage. Der Bundesverband WindEnergie kritisiert: „Unter dem bestehenden EEG wird der Ausbau der Windkraft im Süden abgewürgt.“ Während bei der Ausschreibung im Februar 2025 noch jedes eingereichte bayerische Projekt einen Zuschlag erhalten hat, war es ein Jahr später nur noch jedes zwanzigste (5,7 Prozent).
Das zeigen auch die Erfahrungen von Peter Beermann. Er ist der offizielle „Windkümmerer“ Oberbayerns, also Ansprechpartner rund um Windkraft, und hat selbst ein Planungsbüro in München. Er sagt: „Eine Vielzahl an Projekten steht vor dem Problem, keine Zuschläge mehr zu bekommen.“ Beermann kann eine lange Liste aufzählen: Windparks in Sulzemoos, Gilching, Egenhofen, Mammendorf, Maisach, Taufkirchen, Moorenweis, Kottgeisering, Farenzhausen, Taufkirchen, Höhenkirchen, Geltendorf und viele weitere stehen auf der Kippe. „Alle sind losgaloppiert – es konnte vor zwei, drei Jahren keiner ahnen, dass die Energiewende so plötzlich abgewürgt wird“, berichtet der Wind-Experte.
Wie viel Aufwand hinter der Planung einer Windkraftanlage steckt, zeigt das Beispiel Röhrmoos im Kreis Dachau. Dort hat sich laut Beermann „wie ja auch politisch gewollt“, eine lokale Gruppe zusammengetan: Die Gemeinde, eine Stiftung, die Stadtwerke, Grundstückseigentümer und Beermanns Büro. Sie gründeten im März 2024 eine GmbH – und packten sofort an. Sie ließen den Artenschutz überprüfen. Stellten einen Antrag auf Vorbescheid beim Landratsamt, um K.O.-Kriterien wie militärische oder zivile Luftfahrt auszuschließen. Dann: noch eine artenschutzrechtliche Prüfung, landschaftspflegerischer Begleitplan, Umweltverträglichkeitsprüfung, Gutachten für Schall, Schatten, Wind, Baugrund, Eiswurf. Flotte zwei Jahre nach Beginn der Planung gab das Landratsamt grünes Licht – für vier Windräder, 175 Meter hoch, Gesamtleistung 28 Megawatt. Die Kosten für ein Projekt dieser Größenordnung liegen bei etwa einer Million Euro, bis gebaut wird. Alles war bereit. Doch im Mai die schlechte Nachricht: Das Projekt geht bei der Ausschreibung der Bundesnetzagentur leer aus.
Alle Hoffnung liegt nun auf der Reform des EEG – 2027 läuft die alte Regelung aus. Fachverbände und auch Aiwangers Wirtschaftsministerium fordern, dass deutlich mehr Geld in den EEG-Topf kommt. Außerdem sollen die Ausschreibungen so gestaltet werden, dass Standortunterschiede „angemessen berücksichtigt werden“. Komme das nicht, rechnet der Bundesverband WindEnergie „mit einem dramatischen Einbruch des Ausbaus, gerade in Bayern“.
Schon jetzt lassen sich offenbar viele abschrecken, das belegen Zahlen aus dem bayerischen Wirtschaftsministerium. „Die Antragszahlen bleiben sehr deutlich hinter dem Vorjahr zurück“, heißt es auf Anfrage. Und noch einen Hinweis erlaubt man sich: Dass die Bearbeitung der Anträge „sowohl seitens der Behörden wie auch der Vorhabenträger erhebliche Ressourcen“ bindet. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) heißt es, es sei wichtig, dass Projekte in Süddeutschland auch in den Ausschreibungen wettbewerbsfähig seien. Man wolle in den kommenden zwei Jahren jeweils fünf Gigawatt zusätzlich ausschreiben. Das allerdings müssen Bundestag und Bundesrat noch beschließen.CARINA ZIMNIOK THOMAS STEINHARDT