Der Gänsesäger bleibt länger im Visier

von Redaktion

Enten-Abschuss an Isar und Alz zum Schutz der Äsche – Drei weitere Gewässer stehen zur Prüfung an

Die Äsche, schon mehrmals Fisch des Jahres, ist vom Aussterben bedroht, sagen die Fischer. © Andreas Hartl

Putzig, aber mit Appetit auf Fisch: ein Gänsesäger mit Jungem. © MM-Archiv

München – Gänsesäger oder Äsche – wem geht es wo an den Kragen? Seit 2023 entzweit ein Pilotprojekt um den Abschuss des Gänsesäger, einer Entenart, Vogelschützer und Fischer. Unter der Federführung des Instituts für Fischerei wurden an drei Flussabschnitten, der Mittleren und Oberen Isar bei Bad Tölz und Ismaning, sowie an der Alz, mehr als 600 Gänsesäger abgeschossen, um so die Äsche zu retten. Jetzt könnten drei weitere Gewässer dazu kommen, an denen die Gänsesäger gezielt dezimiert werden könnten.

Ziel des umstrittenen Projekts ist es, zu untersuchen, ob sich damit der Bestand der Äsche erholt. Die Gänsesäger werden abgeschossen – die Versuchsleiter sprechen von letaler Vergrämung –, dann die Tiere seziert und der Mageninhalt wird untersucht. Zuletzt wurde das Forschungsprojekt bis Ende des Jahres verlängert, „um im Frühjahr an Alz und Mittlerer Isar noch Fischbestandserhebungen und Gänsesägerzählungen durchführen zu können“, erklärt Michael Schubert von der staatlichen Landesanstalt für Landwirtschaft, zu der das Fischerei-Institut gehört. „Aktuell laufen letzte Datenanalysen.“ Ein Abschlussbericht solle dem Landwirtschaftsministeirum Ende 2026 vorgelegt werden. Energischer Gegner des Projekts von Anfang an ist Norbert Schäffer, Chef des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV). Er fordert die Vorlage einer soliden wissenschaftlichen Arbeit, bevor über das weitere Vorgehen entschieden werde. „Darauf legen wir allergrößten Wert.“ Gradmesser sei ein anerkanntes Journal, in dem die Beiträge „peer-reviewed“ seien – also vor Veröffentlichung durch unabhängige Fachleute gegengeprüft. „Ein unbegründetes, nutzloses Abschießen von Gänsesägern darf es nicht geben“, sagt Schäffer unserer Zeitung.

Wahrscheinlich wird ihn daher die Nachricht nicht erfreuen, dass das Fischerei-Institut schon über weitere Abschusspläne zum Wohle der Äsche nachdenkt. Einer, der das offen ausspricht, ist Tobias Ruff, ÖDP-Landeschef im Ehrenamt und halbtags als Gewässerökologe bei der Fischereifachberatung Oberbayern tätig. Ruff, dessen Vater Willi Ruff nach dem Rücktritt des Vorsitzenden Axel Bartelt kommissarisch den Landesfischereiverband Bayern führt, hat das Projekt mitkonzipiert. Er und Schäffer kennen sich gut – beide standen vor Jahren Seite an Seite, als sie für das Bienen-Volksbegehren kämpften. Jetzt sind sie Gegner. Ruff spricht von einem „Zielkonflikt“, einem „fachlichen Disput“. Sein fachliches Ziel umreißt er so: „Wenn wir drei Gewässer mit Äschen erhalten, und vielleicht noch drei weitere dazu gewinnen, dann hätten wir sechs Laichstämme zum Erhalt der genetischen Vielfalt.“ Sechs – nicht drei Gewässer also.

Wo die neuen Untersuchungsgebiete liegen könnten, kann Ruff noch nicht sagen. Man müsse erst mal zehn bis zwölf Gewässer im Freistaat mit einem nennenswerten Restbestand an Äschen identifizieren, dann erfolgten Untersuchungen, am Ende könnten drei übrig bleiben. Das dauere ein bis zwei Jahre, denn es müsse sowohl eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung als auch eine Schonzeitverkürzung erwirkt werden. Für Ruff steht außer Frage, dass der Gänsesäger ein Verantwortlicher für den Verlust der Äsche ist. An der Mittleren Isar seien zuletzt 548 Äschen gezählt worden. An einer Vergleichsstrecke, wo nicht geschossen wurde, hingegen ganze zwei.

Nur eins will Tobias Ruff nicht sagen: ob er persönlich auch Gänsesäger schießt. „Wir haben einen Maulkorb.“ Man befürchte Anfeindungen.DIRK WALTER

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