Nächtigen im legendären Schloss Elmau: Über eine täuschend echt wirkende, mit KI erstellte Internetseite haben Betrüger Angebote für das Schlosshotel im Kreis Garmisch-Partenkirchen gemacht. © IMAGO
Elmau/München – Schloss Elmau, das Fünf-Sterne-Haus im Kreis Garmisch-Partenkirchen, war schon zweimal Schauplatz des G7-Gipfels. Jetzt ist das Luxushotel zum ersten Mal Ziel von Cyberkriminellen geworden. Kürzlich hatte sich ein Gast gemeldet, um seine Buchung zu ändern. Nur: Die war nie im System eingegangen. Die Mitarbeiter forschten nach und stellten fest: Der Gast ist auf Betrüger hereingefallen. Die hatten eine täuschend echt wirkende Schloss-Elmau-Webseite auf Buchungsportalen verlinkt – vor allem, um persönliche Daten und Kreditkarteninformationen zu sammeln.
Schloss Elmau ist gegen solche Betrugsversuche eigentlich gewappnet: Der Hotelbetreiber benutzt ein Sicherheitsprogramm, das darauf getrimmt ist, sogenannte Fake-Seiten zu erkennen. Tatsächlich hatte das Programm vor vier Wochen Alarm geschlagen. „Wir leben in einer Welt, in der man mit digitalem Missbrauch rechnen muss“, sagt Naomi Jödicke von Schloss Elmau. „Jedes Unternehmen hat schon einmal erlebt, dass irgendwelche Fake-Seiten erstellt wurden. Wir sind nicht gefeit davor.“
Die Masche mit „falschen“ Ferienwohnungen oder gar Luxusvillen kennen Verbraucherschützer eher aus großen Urlaubsdestinationen wie Paris, Mallorca oder den Kanaren. Aber auch an Nord- und Ostsee gibt es Fälle – und in Oberbayern. Allein im Vorjahr musste das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie vor über 4300 solcher Fake-Buchungsportale warnen. Opfer, die ihren Urlaubs-Supergau zur Anzeige gebracht haben, sind in dieser Statistik enthalten. Die Dunkelziffer aber liegt höher. Gleichzeitig hält KI von Jahr zu Jahr mehr Einzug, für Betrüger wird es immer leichter, in Windeseile täuschend echte Fakes zu erstellen. Wo eine falsche Webseite verschwindet, taucht eine neue auf.
In Grainau im Kreis Garmisch-Partenkirchen berichtete eine Anwohnerin unserer Zeitung im vergangenen Jahr von 25 Parteien, die im Zugspitzdorf nach einer nicht existierenden Ferienwohnung suchten. Eine Familie mit zwei Kindern hatte damals dafür über die Plattform Booking schon 1500 Euro in Zahlung gegeben. Das Luxushotel Kranzbach, das nicht weit von Schloss Elmau liegt, blieb bisher verschont. „Wir sind zwar täglich unterschiedlichsten Angriffen ausgesetzt“, gesteht Hauptgesellschafter David Edinger. „Hauptsächlich aber in Form von E-Mails und Trojanern.“
Das Problem mit gefälschten Seiten ist so groß, dass Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) in den Sommerferien eindringlich warnt: „Cyberbetrüger locken im Internet mit Angeboten zu Schnäppchenpreisen, die sich am Ende als Phantom-Wohnungen entpuppen. Die Täter werben über Reise-Seiten oder Soziale Medien, teils ahmen sie auch Seiten von angesehenen Unternehmen nach. Schauen Sie bei Angeboten genau hin, damit der Traumurlaub nicht als Albtraum endet.“ An der Adria etwa hätten zuletzt 120 Urlauber auf der Straße gestanden, weil es die bereits bezahlte Bleibe gar nicht gab.
Frank-Ulrich John, Geschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, ist so ein Fall im Freistaat heuer noch nicht zu Ohren gekommen. „Aber Vorsicht ist immer geboten“, sagt er. „Wir raten generell dazu, im Hotel anzurufen. Das bringt nur Vorteile: Zum einen würde der Gast sofort bemerken, dass ihm ein unseriöses Angebot vorliegt. Zum anderen beschert einem das persönliche Gespräch oft ein Upgrade, etwa in Bezug auf die Zimmergröße.“ Auch beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd rät man zur Hintergrundrecherche – vor allem bei wahnwitzig günstigen Spezialangeboten für luxuriöse Unterkünfte.
„Wenn der angebotene Preis zu niedrig ist, um wahr zu sein, dann stimmt auch meistens etwas nicht“, betont auch Justizminister Eisenreich. „Vermeiden Sie Vorauszahlungen, wenn Vertragspartner und Zahlungsempfänger auseinanderfallen.“ In Zeiten, in denen weite Teile des Privat- und Geschäftslebens im Internet liegen, sollte man seine Identität umso besser schützen: „Schicken Sie keine Kopie von Reisepass oder Ausweis an Personen, die sie nicht kennen. Die Gefahr, Opfer von Identitätsdiebstahl und in der Folge von Identitätsmissbrauch zu werden, wächst.“SOPHIA NEBEL CORNELIA SCHRAMM