NACHGEFRAGT

„Beim Schafkopfen blühen viele Menschen auf“

von Redaktion

…bei Schafkopf-Lehrerin Marga Beckstein. © Kneffel/dpa

Schafkopfen ist bayerisches Kulturgut und für Neulinge oft nur schwer zu verstehen. Wer ist bitteschön „die Alte“, was sind „Luschen“ und wer wird zum „Brunzkartler“? Warum sticht der Unter den König – und was sind noch mal „Geier“ und „Wenz“? Marga Beckstein, Frau des ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) und frühere Lehrerin, hat vor mehr als zehn Jahren beschlossen, Licht ins Dunkel zu bringen – und Anfängern Schafkopf beizubringen. Anfangs sprach sie damit explizit Frauen an: Denn die beklagten häufig, dass ihre Männer einfach nicht in der Lage seien, Schafkopf verständlich zu erklären..

Frau Beckstein, warum liegt Ihnen Schafkopfen so sehr am Herzen, dass Sie sogar Kurse anbieten?

Ich spiele schon, seit ich ein kleines Mädchen war – zuerst mit meiner Mutter, später im Studium, dann mit meinem Mann, unseren Kindern und mit unseren Enkeln. Selbst auf der Autobahn haben mein Mann und ich einmal mit zwei Stau-Nachbarn spontan auf der Kühlerhaube geschafkopft. Das Spiel bringt die Menschen zusammen. Ein Kartenset kostet nur ein paar Euro und man kann es überall mit hinnehmen. Auch die Grundregeln sind ziemlich einfach zu lernen. Dazu kommen all die Varianten wie Solo, Geier oder Wenz, die das Spiel so reizvoll machen. Kein Spiel ist wie das andere.

Schafkopfen galt lange als Männerdomäne. Vor mehr als zehn Jahren haben Sie mit Schafkopf-Kursen für Frauen angefangen. Warum?

Ich habe von vielen Frauen aus meinem Umfeld gehört, dass sie gern spielen würden. Aber ihre Männer seien zu ungeduldig und offenbar nicht in der Lage, ihnen das Spiel verständlich zu erklären. Das konnte ich nachvollziehen, weil mein Mann auch zu dieser Gruppe gehört. Viele erfahrene Spieler machen den Fehler und wollen Neulingen sofort etwas von Strategie und Taktik erzählen. Das bringt aber nichts, wenn sie die Grundlagen noch gar nicht kennen – also welche Karten überhaupt Trumpf sind und wie viel eine Karte wert ist. Von daher ist es hilfreich, das komplette Kartenset der Reihe nach hinzulegen. Erst Eichel, dann Blatt, Herz und Schelle. Angefangen habe ich mit Kursen für Frauen, das hat sich aber schnell weiterentwickelt. Inzwischen sind auch viele Männer dabei.

In Wirtshäusern sieht man kaum noch Schafkopfrunden. Ist da bayerisches Kulturgut auf dem Rückzug?

Im Wirtshaus wird vielleicht weniger gespielt als früher, aber für mein Empfinden umso mehr im privaten Kreis. Alle meine sieben Enkelkinder können schafkopfen. Der Jüngste hat mir vor kurzem Offiziersschafkopf beigebracht – eine Schafkopf-Variante nur für zwei Spieler. Von daher sehe ich nicht, dass das Spiel auf dem Rückzug ist. Wir selbst spielen alle zwei bis drei Wochen noch. Und in meinen Kursen sitzen junge Leute neben Senioren, Frauen neben Männern, Anfänger neben erfahrenen Spielern. Besonders schön ist es in Altenheimen. Viele ältere Menschen blühen beim Schafkopfen richtig auf.

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