Ingolstadt/München – Vor dem Landgericht München II muss sich seit Kurzem eine Familie aus Ingolstadt wegen Steuerhinterziehung verantworten. Ein 59-jähriger Vater und seine Söhne (34 und 23) sollen gemeinsam knapp 1,9 Millionen Euro zurückgehalten haben, indem sie Steuererklärungen nicht abgaben. Die Gewinne stammten vor allem aus Geldspielgeräten, die in von ihnen betriebenen Gaststätten aufgestellt waren.
Der ältere Sohn war zwischen 2017 und 2022 Chef der Betriebe. In diese Zeit fällt der Großteil der Summe. In den darauffolgenden zwei Jahren übernahm formal sein Bruder, obwohl laut Anklage der Ältere weiterhin die Geschäfte führte. Die Glücksspielgeräte wurden teils offenbar ohne Genehmigung betrieben.
Der Vater, der bei seinen Söhnen laut Verträgen als Arbeitnehmer beschäftigt war, ist in allen Fällen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt. Er soll geholfen haben, Umsätze an der Steuer vorbei in die Türkei transferiert zu haben. Zudem soll er mit gefälschten Rechnungen Subventionen für die Betriebe bei der Industrie- und Handelskammer erschlichen haben. Von der Millionensumme ist ein Teil mittlerweile getilgt, sodass beim Finanzamt der Anklage zufolge ein Schaden von etwas weniger als einer Million Euro besteht. Der ältere Sohn hatte seit Herbst vergangenen Jahres knapp ein halbes Jahr in Untersuchungshaft gesessen.
Beim Prozessauftakt verhandelten Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung um mögliche Geständnisse der Angeklagten, die das Verfahren abkürzen könnten. Fortgesetzt wird der Prozess allerdings erst Anfang September. Möglicherweise reduziert sich bis dahin infolge des Gesprächs der Umfang der Anklage.TOM SUNDERMANN