Mut zum Helfen: Das Jugendrotkreuz organisiert in Bayerns Kindergärten Workshops, um die Grundlagen der Ersten Hilfe zu vermitteln. © Symbolbild: Getty
München/Erding – Rino und Solfi haben viel Pech im Leben. Schon wenn sie nur Obstsalat machen wollen, ist es wahrscheinlich, dass sich einer der beiden beim Schneiden verletzt. Glücklicherweise halten sich die beiden Handpuppen oft in bayerischen Kindergärten auf – und dort gibt es viele Kinder, die sich in Sachen Erste Hilfe schon ganz hervorragend auskennen. Dank des Bayerischen Jugendrotkreuzes. Die Ehrenamtlichen organisieren seit vielen Jahren „Trau dich“-Kurse für Kinder – um ihnen so früh wie möglich die Hemmungen zu nehmen, im Ernstfall zu helfen.
Die Kurse ziehen sich meist durch ein gesamtes Kindergartenjahr, berichtet die Bildungsreferentin Lorraine Weber. Es gibt verschiedene Einheiten, durch die die Kompetenzen der Kinder immer weiter gesteigert werden. Rund um Themen wie Trösten, Hilfe holen oder Pflaster kleben, lernen die Drei- bis Sechsjährigen, wie sie in einer Notlage richtig reagieren. Auch dank Rino und Solfi, die als Puppen immer mit dabei sind. Die Kindergärten können entweder einen BRK-Helfer um Unterstützung bei den Workshops bitten. Oder sie laden das Material auf der Internetseite des Jugendrotkreuzes herunter. Als Ergänzung bietet das Jugendrotkreuz Multiplikatorenkurse an, in denen die Erzieher lernen, wie sie die Inhalte didaktisch am besten vermitteln.
Die Kurse sind immer ein großer Erfolg, berichtet Weber. „Kinder sind von Natur aus neugierig und haben weniger Hemmungen zu helfen als viele Erwachsene.“ Viele würden einfach ausprobieren, wie man einen Verband anlegen kann oder ein Pflaster auf eine Wunde klebt. „An diese Offenheit wollen wir anknüpfen“, sagt sie. Die Kinder sollen Sicherheit beim Helfen bekommen, bevor Ängste entstehen können. „Ziel ist, dass sie selbstsicher werden und wir schon früh ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Helfen etwas ganz Selbstverständliches ist.“ Denn laut Statistik greifen in Deutschland nur 40 bis 50 Prozent der Menschen im Notfall ein. Oft sind die Unsicherheit oder die Angst vor Fehlern zu groß.
Nach der Erfahrung von Lorraine Weber und ihren Kollegen sind Kinder ganz intuitiv gute Ersthelfer. „Trösten zum Beispiel können die meisten hervorragend.“ Schon oft haben die Ehrenamtlichen mitansehen können, wie ihre Kursteilnehmer selbstständig Pflaster holten, wenn sich ein Kind verletzt hatte. Und es gab auch Kinder, die nach einem Kurs Hilfe holten, als sich ihre Mama verletzt hatte, erzählt Weber. Sie lernen im Workshop spielerisch, sich die Notrufnummer 112 zu merken – zum Beispiel mit dem Merkspruch „ein Mund, eine Nase, zwei Augen“. Nachdem die Kindergartenkinder die Erste-Hilfe-Grundlagen kennengelernt haben, geht es später in der Grundschule mit Junior-Helferkursen weiter.
Der BRK-Kreisverband in Erding ist vor Kurzem noch einen Schritt weiter gegangen, um Kinder zu ermutigen, im Notfall zu helfen. Dazu hat der Vorsitzende Jürgen Loher die Kinderrockband Schlawindl ins Boot geholt, gemeinsam haben sie den Trau-dich-Song konzipiert. „Trau dich und hab Mut – denn keiner ist zu klein, um ein Helfer zu sein“, heißt es im Refrain. Sogar ein Video gibt es zu dem Song – mit zwei prominenten Darstellern. Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf und und der Erdinger OB Max Gotz (beide CSU). Letzterer sieht in dem Lied auch eine Botschaft an die Erwachsenen, die viel zu oft wegschauen würden.KATRIN WOITSCH UND VRONI MACHT