Das flüssige Erz ist 1100 Grad heiß und sucht sich seinen Weg durch die Bahnen im Erdboden. © EOM/Kiderle
Seit über drei Jahren läutet die Kirche nicht mehr.
Fast fünf Tonnen schwer: Die alten Glocken wurden im Oktober 2025 per Kran nach unten transportiert. © Sabine Hermsdorf-hiss (2)
Eurasburg – In Beuerberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist schon drei Jahre lang kein Glockenläuten mehr erklungen. Seit Mesner Franz Zimma 2023 aufgefallen war, dass das Geläut in der Klosterkirche aus dem Takt geraten war. Es stellte sich heraus, dass zwei der Schrauben, an denen die Kirchenglocken hingen, durchgebrochen waren. Die größte, fast fünf Tonnen schwere Glocke drohte deshalb abzustürzen. Wie sich herausstellte, war das Stahlgeläut für den Beuerberger Kirchturm zu schwer.
Vor fast einem Jahr hob ein Kran dann die insgesamt fast zehn Tonnen schweren Glocken aus dem Turm. Seitdem war das Geläut eingelagert. Der Pfarrverband sucht einen Aufstellungsort, nachdem sich keine andere Kirche gefunden hatte, die die Glocken noch einmal einbauen will. Denn eingeschmolzen sollen die alten Glocken nicht werden. Sie waren 1949 eingesetzt worden, nachdem die Nationalsozialisten die ursprünglichen Bronzeglocken hatten entfernen lassen. Aus der Not heraus wurden die neuen Glocken aus Gussstahl gefertigt. Denn Bronze war teuer und schwer zu kriegen. Doch die Gussstahlglocken mussten viel schwerer sein, um den gleichen Klang zu haben. Zu schwer für den Kirchturm.
Nun werden neue Glocken gegossen – jetzt wieder aus Bronze. Die neuen Glocken werden nur noch halb so viel wiegen wie ihre Vorgänger. Angefertigt werden sie gerade in Passau. Vor Kurzem hat Pfarrer Bernhard Häglsperger die Glockengießerei Rudolf Perner besucht – um die neuen Glocken zu bestaunen und zu segnen. In dieser Woche sollen die Formen der Bronzeglocken in der Erde geöffnet werden. „Sie sind dann immer noch 70 Grad heiß“, erklärt der Pfarrer. Wenn sie gegossen werden, sprudelt das flüssige Metall sogar mit 1100 Grad durch Rinnen in die Formen in der Erde. In der Gießerei durfte er gemeinsam mit einer Delegation aus Beuerberg dabei zusehen. Mit jeder Glocke wurde es heißer. „Es hätte nicht viel länger dauern dürfen“, sagt der Pfarrer immer noch tief beeindruckt von dem Handwerk.
Ende September werden die neuen Beuerberger Glocken von Kardinal Reinhard Marx geweiht. Nach letzten Arbeiten im Turm werden sie Anfang Oktober dann mit einem Kran eingehoben. Dann endet in Beuerberg die dreieinhalbjährige Stille. Pfarrer Hägelsperger freut sich schon auf den Moment. Und nicht nur er: „Die Leute fragen mich immer und überall nach den Glocken.“JONAS NAPILETZKI