Gestrandet auf der Zugspitze

von Redaktion

Bergwacht warnt: Immer mehr Wanderer verpassen letzte Talfahrt

Die Zugspitzbahn fährt nicht bis in den Abend hinein.

Hat nur 18 Betten: Anton Zwinger (Münchner Haus).

Ein Sehnsuchtsort: Das Zugspitzkreuz mit der Bergstation im Hintergrund. © Wolf/pa, Spremberg/pa, kat

Grainau – „Leute, wir müssen über die Zugspitze reden.“ Laura Schmatz und Franz Dörfler stehen abseits des Gipfelkreuzes und schauen ernst in die Kamera. Die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) und die Bergwacht Grainau haben sich zusammengetan für ein Video auf Instagram, mit dem sie die stetig steigende Zahl der Bergsportler erreichen wollen, die auf Deutschlands höchsten Gipfel stürmen. „Wer seine Touren falsch plant und die letzte Talfahrt verpasst, für den wird es schnell teuer“, warnt Schmatz. „Und bei uns geht nachts noch der Piepser“, ergänzt Dörfler, stellvertretender Bereitschaftsleiter in Grainau.

Die Bergretter verzeichnen an der Zugspitze jedes Jahr neue Rekordzahlen an Einsätzen. Inzwischen werden sie immer häufiger gerufen, wenn Bergsteiger abends am Gipfel stranden. Sie verschätzen sich oder haben falsch geplant, die letzte Bahn ins Tal ist bereits abgefahren. Viele alarmieren dann die Bergwacht, die sich wiederum mit der Bayerischen Zugspitzbahn austauscht.

In manchen Fällen bringt die Bahn die Alpinisten ins Tal, etwa in Notlagen oder wenn die Betroffenen darauf bestehen. Sind sie unverletzt, müssen sie den Sondertransport selbst bezahlen. „Wenn wir die Seilbahn nach den regulären Öffnungszeiten noch einmal anschmeißen müssen, können die Kosten schnell vierstellig werden“, sagt Laura Schmatz. Muss die Bergwacht mit dem Hubschrauber ausrücken, wird es noch teurer.

„Nicht jeder ist bereit, das zu bezahlen“, sagt BZB-Sprecher Klaus Schanda. Dann bleiben die Bergsteiger über Nacht am Berg. Oft biwakieren die Betroffenen am Gebäude. „Wir können sie nicht unbeaufsichtigt in der Bergstation übernachten lassen.“ Sinkt die Temperatur, bekommen sie Decken und dürfen in der Garage schlafen.

Wenige Meter vom Zugspitzgipfel entfernt steht das Münchner Haus. Es gibt eine begrenzte Zahl an Übernachtungsplätzen in der Hütte der Alpenvereinssektion München, die vorab gebucht werden müssen und für Bergsteiger gedacht sind, die am nächsten Tag den Jubiläumsgrat überschreiten wollen. Der Bergwacht erklären Gestrandete immer wieder, dass auf Klopfen und Anrufe niemand reagiere. Mit dem Alltag von Hüttenwirt Anton Zwinger deckt sich das nicht. Täglich bringe er Zuspätkommer unter. Sind die 18 Betten im Keller der Hütte voll, legt er die Gänge mit Liegepolstern aus und verteilt Decken. „Überall sind die Leut‘ schon gelegen“, sagt Zwinger.

Er schließt nicht aus, dass auch mal ein spätes Klopfen oder ein Anruf überhört werden. Das Münchner Haus ist abends eine reine Selbstversorgerhütte. Trotzdem bleibt der Wirt (oder einer seiner Mitarbeiter) während der Saison über Nacht am Berg. „Würde ich die Leut‘ nicht hereinlassen, hätte ich hier oben als Wirt nichts verloren“, sagt er. Vielmehr sei es so, dass manche nicht im Münchner Haus schlafen wollen. Er berichtet von einem Pärchen, das er zu den Betten in den Keller schickte. Sie kamen zurück, und die Frau sagte: „Hier bleib’ ich nicht, wir rufen die Bergwacht an.“ Problematisch sei auch, dass einige das Münchner Haus gar nicht finden. Nach Betriebsende der Bahn führt nur noch eine Leiter zum Münchner Haus. Einige sehen sie nicht. Andere trauen sich nicht, sie zu benutzen.

Klar ist aber: Die Verantwortung liegt in erster Linie bei den Bergsteigern. „Plant eure Tour richtig. Schaut, dass ihr rechtzeitig losgeht“, sagt Bergwachtler Franz Dörfler. Gute und richtige Vorbereitung ist ab sofort umso wichtiger, da sich Ende des Monats saisonbedingt die Abfahrtszeiten ändern: Bis 31. August ist die letzte Abfahrt um 17.45 Uhr. Ab 1. September noch eine Stunde früher, um 16.45 Uhr. „Die letzte Talfahrt ist kein Richtwert, sondern die absolute Grundlage für die Tourenplanung“, sagt Laura Schmatz. Bergsportler, die das missachten, verursachen Aufwand bei Ehrenamtlichen und Mitarbeitern von Hütte und Zugspitzbahn. Und potenziell hohe Kosten, die sie am Ende selbst tragen müssen.KAT/KBK

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