Schlauchboote sind auf dem Königssee nicht mehr erlaubt. Sie könnten die Quaggamuschel ins Wasser bringen. © kp
Schönau – Der Nationalpark Berchtesgaden will Luftmatratzen und Stand-up-Paddleboards auf dem gesamten Königssee verbieten, um die invasive Quaggamuschel fernzuhalten. Auf dem größten Teil des Sees gilt das Verbot zwar längst. Ausgerechnet dort, wo die Badegäste ins Wasser gehen, aber noch nicht.
Die Quaggamuschel wird vor allem über Wassersportgeräte und Boote von See zu See transportiert. Ein paar Tropfen Restwasser in der Falte einer Luftmatratze genügen. Die Larven sind mikroskopisch klein. Einige Seen in Oberbayern sind wie berichtet bereits befallen. Deshalb geht der Nationalpark nun diesen rigorosen Schritt. Ausgenommen von dem Verbot sind nur die Elektroboote und die etwa 50 Ruderboote, die gemietet werden können.
Das Verbot gilt nun auch für die Badestellen, an denen bisher noch Luftmatratzen oder Schwimmreifen erlaubt waren. Der Königssee ist zwar kein klassischer Badesee – dafür ist das Wasser zu kalt. Und es gibt nicht viele Liegeflächen. Doch an heißen Tagen tummelten sich dennoch ein paar hundert Menschen am Ufer. Und ein einziges Sportgerät, das von der Quaggamuschel infiziert ist, reicht, damit sie in den See eingeschleppt wird.
Eingeschleppt wird die Art fast immer durch Menschen – neben Booten und Tauchausrüstung auch durch Aquarienentleerungen und Fischbesatz. Roland Baier, der Leiter des Nationalparks, betont: „Jeder Badegast kann aktiv dazu beitragen, den Königssee quaggafrei zu halten.“ Weniger wahrscheinlich, aber möglich sei eine Übertragung über feuchte Badekleidung: „Deshalb sollten Badekleidung, insbesondere Badeschuhe, Luftmatratzen oder Schwimmflügel nach jedem Badeseewechsel gründlich gereinigt und getrocknet werden.“
Was ein Befall bedeutet, zeigt sich am Bodensee: Vor zehn Jahren wurde die Quaggamuschel dort erstmals nachgewiesen, inzwischen ist der ganze See von ihr besiedelt. Gerade in tiefen, nährstoffarmen Alpenseen bauen die Muscheln die Nahrungskette um. Sie filtrieren das Wasser, entziehen ihm Nährstoffe und einzellige Algen und siedeln bis in Tiefen von über 200 Metern. Dadurch wird für viele Organismen die Nahrung reduziert. Sobald ein Gewässer besiedelt ist, gibt es keine Möglichkeit mehr, die Muschel vollständig zu entfernen.KILIAN PFEIFFER