DAS PORTRÄT

Die Sammler von Geschichten

von Redaktion

Doris Hamberger und Hans Gigl aus Höhenkirchen.

Seine Lieblingsgeschichte, sagt Hans Gigl, erzählt vom ersten Treffen seiner Eltern. „Mein Vater war mit dem Lastwagen unterwegs, um den Kramer zu beliefern“, schildert er. „Da brachen gegenüber auf dem Mesner-Hof, von dem meine Mutter stammt, die Ochsen aus. Mein Vater hat geholfen, die Tiere wieder einzufangen – bei der Gelegenheit haben sich die beiden ineinander verliebt!“ Geschichten wie diese, aus dem Alltag der Menschen, stehen in keiner Ortschronik. Auch nicht in Höhenkirchen im Landkreis München. Und die Treffpunkte, an denen man sie erzählen könnte, werden weniger: „Wir haben keinen Metzger mehr, keine Bank, keinen Tante-Emma-Laden, Dorfschmied und andere Handwerksbetriebe sind auch längst Geschichte“, sagt Doris Hamberger. Also gründeten sie und Hans Gigl einen Stammtisch. Um die Geschichten zu bewahren. Und die Bewohner der Gemeinde zusammenzubringen.

Tatsächlich entstand die Idee für „Oid Höhakirch“ nach dem Gräberumgang an Allerheiligen. „Man kennt sich nicht mehr selbstverständlich im Ort. Allerheiligen ist natürlich eine Gelegenheit, bei der man zusammenkommt“, erklärt Gigl. Fünf Stammtische haben die beiden seitdem veranstaltet. Vorgaben machen sie keine, allerdings müssen sich die Teilnehmer vorstellen. Die bringen genügend eigene Ideen mit: Einmal erzählte ein Ehrenbürger aus seinem Leben, ein anderes Mal brachte ein Teilnehmer seine Sammlung an Sterbebildchen mit. Zuletzt zeigte Ortschronist Günther Schmid historische Luftbildaufnahmen von Höhenkirchen.

Auch zwei Filmnachmittage mit Privatfilmen stellten die Stammtisch-Teilnehmer auf die Beine. In einem Film ging es um den Jahreslauf in den 60er-Jahren, „damals noch stark geprägt von der Landwirtschaft“, so Gigl. Ein Film zeigte die Höhenkirchener Einzelhändler in den 1970ern. Ein anderer widmete sich Originalen der Gemeinde. „Unter ihnen der legendäre Dommesner, genannt Bumpf. Er war gelernter Friseur und hatte einen extremen Humor!“ Der nächste Termin ist schon in Planung. Im Herbst wird es einen Hoagascht geben, wie er früher ganz selbstverständlich im Höhenkirchener Kalender stand. Verschiedene Musikgruppen werden am 18. September im Pfarrzentrum auftreten. Und möglicherweise wird die eine oder andere Geschichte erzählt.ANDREA KÄSTLE

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