Als Bayern den Preußen unterlag

von Redaktion

Vor 160 Jahren starben im „Bruderkrieg“ 1000 bayerische Soldaten: Vorspiel zur Reichsgründung

Das bekannteste Gefecht des 1866er-Krieges: die Schlacht bei Königgrätz, festgehalten auf einem Gemälde von Georg Bleibtreu. © wikipedia

München – Im Sommer 1866 kam es zum Schlagabtausch zweier Großmächte, in den auch Bayern hineingezogen wurde. Nichts weniger als die Frage, wer künftig im deutschen Raum die Führung übernehmen sollte, stand vor 160 Jahren im Zentrum der Auseinandersetzung. Sollte also der Deutsche Bund, dem auch Österreich angehörte, weiterhin bestehen – die großdeutsche Lösung – oder würde vielmehr ein innerdeutscher Staatenbund entstehen, ohne die Donaumonarchie? Für Preußen unter König Wilhelm I. und seinem „eisernen“ Kanzler Otto von Bismarck war von vornherein klar, dass man die Zukunft allein gestalten würde.

In Bayern ahnten die Menschen, dass es wohl zu einem Krieg kommen wird. Aber außer Preußen war damals kein Staat wirklich auf einen Waffengang vorbereitet. „Die bayerische Armee war seit Jahrzehnten nur unzulänglich finanziert worden, die Mannschaften waren zwar relativ gut ausgerüstet und bewaffnet, aber ungenügend ausgebildet“, schreibt der Historiker Wilhelm Volkert. Den Oberbefehl hatte der 70-jährige Prinz Carl von Bayern, den Generalstab führte der wenig erfahrene Ludwig von der Tann. Der bayerische Politiker Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst fällte ein düsteres Urteil: „Ich glaube nicht, dass wir große Lorbeeren ernten werden!“

Schlussendlich scheiterten alle Vermittlungsversuche, sodass der von den Zeitgenossen auch „Bruderkrieg“ oder „deutscher Krieg“ genannte Konflikt am 21. Juni 1866 begann. Österreich stand mit den süddeutschen Mittel- und Kleinstaaten wie Bayern, Württemberg, Baden und den Königreichen Hannover sowie Sachsen auf der einen, Preußen mit Italien und zahlreichen nord- und mitteldeutschen Kleinstaaten auf der anderen Seite. In Bayern herrschte die berechtigte Sorge, dass es zum Existenzkampf um die eigene Selbstständigkeit kommen könnte.

Das Gros der preußischen Truppen konzentriert sich zunächst auf Hauptgegner Österreich und marschierte schnell bis nach Böhmen. Parallel dazu mobilisierten die süddeutschen Staaten ihre Truppen, wobei aus bayerischer Sicht die Verteidigung des eigenen Landes an oberster Stelle stand. Der noch junge und unerfahrene König Ludwig II. hielt sich aus dem Geschehen mehr oder weniger heraus. Zwar verabschiedete er seine Truppen in Bamberg unter dem frenetischen Jubel der Bevölkerung mit den Worten: „Ich nehme nicht Abschied von euch, meine Gedanken bleiben bei euch“, nur um sich anschließend in die Berge zu begeben.

Durch die zum Teil sehr langsame Mobilmachung der Süddeutschen rückte ein koordinierter Einsatz der Truppen in weite Ferne. Zu viel Zeit verstrich und bald schon wurden Bayern, Württemberger und Badener von den Ereignissen eingeholt. Denn Preußen hatte schon am 3. Juli in der Schlacht bei Königgrätz Tatsachen geschaffen und den Krieg damit faktisch entschieden. Nun richtet man die Aufmerksamkeit nach Bayern. Eine Vereinigung der süddeutschen Truppen war gescheitert und schon am 4. Juli 1866 kam es im thüringischen Dermbach zu einem ersten Gefecht mit den Preußen. Der „Mainfeldzug“ war in vollem Gange. Die Stoßrichtung der preußischen Truppen ging zur fränkischen Saale, die bei Hammelburg und Kissingen überschritten werden sollte. Am 10. Juli wurde dann um beide Städte gefochten. Während den Preußen in Hammelburg nur wenig Widerstand begegnete, wurde um Kissingen umso erbitterter gefochten. Am Ende siegten auch hier die Angreifer, wobei beide Seiten teils erhebliche Verluste erlitten. Die Kämpfe zogen sich noch bis Ende Juli 1866 hin, wobei das letzte Gefecht des „Mainfeldzuges“ am 29. Juli im fränkischen Seybothenreuth stattfand. Kurz darauf folgte zwischen Preußen und Bayern ein Waffenstillstand, der am 2. August in Kraft trat. Mehr als 1000 Bayern starben bei diesem kurzen Krieg auf den Schlachtfeldern.

Vor 160 Jahren unterzeichnete die bayerische Regierung am 22. August 1866 dann den „Frieden von Berlin“ mit Preußen – mit „Schutz- und Trutzbündnis“ zwischen beiden Staaten, geringfügigen bayerischen Gebietsabtretungen und Zahlung von 30 Millionen Gulden. „Mit dem Bündnisvertrag war eine beachtliche, so nicht bestehende Bindung Bayerns an Preußen gegeben“, urteilt Historiker Volkert. An der Seite Preußens marschierte Bayern 1870 in den deutsch-französischen Krieg. Nach dem Sieg akzeptierte König Ludwig II. auch die Erhebung des preußischen Königs zum Kaiser und die Reichsgründung.IMMANUEL VOIGT

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