Ein Bergsteiger auf dem Hochstaufen in den Chiemgauer Alpen. Hier bebt die Erde immer wieder – auch wenn man es oft nicht spürt. © Herbert Berger/pa
München – Am Sonntagabend war in der Gegend um Bad Reichenhall eine Erschütterung zu spüren – zumindest eine sanfte: Messinstrumente verzeichneten ein Erdbeben mit einer Stärke zwischen 1,7 und 1,8 gegen 22.30 Uhr. Das ist bei Weitem nicht genug, um Gebäude einstürzen zu lassen, lässt aber Fensterscheiben klirren oder den Fußboden vibrieren.
Rund ein Dutzend Meldungen über das Ereignis schickten Bürger in der Folge an den Erdbebendienst Bayern, der als Teil der Ludwig-Maximilians-Universität in München die Bewegungen der Erde in Bayern beobachtet. Gerade im Raum Bad Reichenhall seien Beben „relativ häufig“, sagt Joachim Wassermann, der die Seismologie-Abteilung des Geophysikalischen Observatoriums leitet. Um die einhundert Beben registrierten die feinen Messinstrumente dort pro Jahr – weit mehr als jene, die auch Menschen zu spüren bekommen.
Die Erde, genauer gesagt die Platten, aus denen ihre Oberfläche besteht, ist permanent in Bewegung. So liegt Afrika auf einer Erdplatte, die sich ganz sachte im Laufe von Milliarden von Jahren über die Platte schiebt, auf der Europa und Asien liegen. In diesem Prozess entlädt sich immer wieder aufgestaute Energie. Das Ergebnis: ein Erdbeben. 2025 waren es für Bayern knapp 1800 Lokalbeben inklusive Vor- und Nachbeben. Im laufenden Jahr sind es bisher an die 700.
Damit ein Beben spürbar wird, müssen Besonderheiten hinzukommen: entweder eine besonders große Stärke oder, wie beim jüngsten Fall in Bad Reichenhall, ein Erdbebenherd, der nahe der Oberfläche liegt – in diesem Fall weniger als drei Kilometer. Wahrzunehmen sei ein Erdbeben als „dumpfer, starker Knall“, sagt Wassermann, und nicht etwa wie ein Donnergrollen.
Rund um den Hochstaufen kommt es zu besonders vielen Beben. „Der Hochstaufen rutscht langsam Richtung Tal“, sagt Wassermann. Die Schwerkraft zieht den Berg permanent talwärts, während die Plattenverschiebungen ihn anheben und verformen. In der Gegend ereignen sich häufig Schwarmbeben, also Serien von Erdbeben. Am häufigsten treten sie laut Wassermann zwischen Mai und Juli auf, den regenreichsten Monaten. Durch die Niederschläge wird der Untergrund mit Wasser gesättigt, die Erde kommt stärker in Bewegung. Auch deshalb wurden in den vergangenen 20 Jahren im Hochstaufen-Umkreis rund 7000 Beben verzeichnet.DPA