Oliver Dambrowsky hat nie ein Handy besessen. © NICI (3)
Max Bromms erstes Handy war ein Motorola Razr.
Mariella und Judit Metzger sind Mutter und Tochter.
Nokia-Handys gab es in allen Variationen. Das erste war der Communicator (rundes Bild). © pa
München – Ein Handy in der Tasche zu haben, ist für die meisten Jugendlichen das Normalste auf der Welt. Auch für die 19-jährige Mariella Metzger. Sie bekam ihr erstes Smartphone 2017 geschenkt – ein iPhone 4. Damals war sie zehn Jahre alt. Zu Beginn nutzte sie es fast gar nicht, erzählt sie. Heute ist es für sie kaum mehr wegzudenken. Ihre Mutter Judit Metzger hat ganz andere Erinnerungen an ihr erstes Handy: ein Nokia aus dem Jahr 1998. Sie war 30, als sie es kaufte.
Knapp 400 Gramm schwer, fast vier Zentimeter dick, mit computerähnlicher Tastatur und Schwarz-Weiß-Display: So sahen die ersten Handys vor rund 30 Jahren aus. Der dominierende Anbieter auf dem Mobilfunkmarkt war damals Nokia. Der Nokia Communicator gilt als Vorläufer der modernen Smartphones, war aber natürlich nicht annährend so smart wie die modernen Handys. Trotzdem war seine Einführung damals eine kleine Sensation. Im August 1996 kam der Nokia 9000 Communicator mit dem Versprechen auf den Markt, Büroaufgaben unterwegs erledigen zu können. Er hatte weder Kamera noch Kopfhörer-Anschluss oder GPS-Ortung und auch sonst nur wenige Funktionen, die ein Smartphone heute ausmachen. Mit dem Gerät konnte man Faxe und E-Mails senden und empfangen, es verfügte über ein Adressbuch und einen Terminkalender. Genutzt wurde das vor allem von Managern und Führungskräften. Dieses Handy konnte sich auch nicht jeder leisten. Es kostete 2700 Mark – fast so viel wie damals ein neues Auto. Es hatte einen internen Speicher von 8 MB und ein Display von 640 mal 200 Pixeln – ohne SIM-Karte.
Barbara Schlotterer-Fuchs war zu dieser Zeit 17 Jahre alt und Schülerin. „Für mich war das revolutionär. Es war zwar so riesig, dass es kaum in eine kleine Handtasche gepasst hätte. Aber es bedeutete Freiheit.“ Vorher hatte sie oft den Kampf ums Familien-Telefon ausfechten müssen – um stundenlang mit ihren Freundinnen telefonieren zu können. Mit den ersten Handys wurde alles leichter, erinnert sie sich. „Um das Nokia-Ungetüm finanzieren zu können, ging ich neben der Schule schuften. Das war es mir wert.“ Ihr Handy hat sich seitdem natürlich verändert. Ihre Rufnummer ist aber seit 29 Jahren gleich geblieben, erzählt sie.
Später brachte Nokia verschiedene Arten von Handys für unterschiedliche Nutzer auf den Markt. Doch inzwischen war auch Bill Gates auf den Communicator aufmerksam geworden. In den 90er-Jahren war die Marke Nokia noch ein Synonym für Mobiltelefone. Doch dann kam 2007 das erste iPhone mit Touchscreen auf den Markt. Ein Gerät für alle. Max Bromm war damals ein Teenager. Sein erstes Handy war aber noch ein aufklappbares Handy – ein Motorola Razr. „Ich war in der fünften Klasse damit der Coolste“, erzählt der 28-Jährige begeistert. Viel konnte Max Bromm mit seinem Handy aber nicht machen. Er hatte es von seinen Eltern für Notfälle bekommen. Aber die Handy-Spiele wie Snake oder Solitaire begeisterten damals nicht nur ihn.
Helmut Schranner erinnert sich noch gut an sein erstes Handy. Auch er hatte ein Nokia-Gerät. In den 90ern war das. Einige Jahre später bekam der heute 62-Jährige ein ganz besonderes mobiles Telefon: ein sogenanntes PDA-Handy aus Amerika. „Das war ein Riesen-Gerät“, sagt Schranner und lacht. In Deutschland gab es die Geräte damals noch nicht zu kaufen – doch der Musiker ergatterte es sich durch seine Kontakte zur Bundeswehr. Eines ist dem 62-Jährigen aus Faistenberg im Kreis Freising wichtig zu betonen: „Trotz vieler Vorteile: So ein Handy macht auch schnell abhängig.“ Gerade für Kinder würde er sich Handys wünschen, mit denen sie nur telefonieren können.
Oliver Dambrowsky (58) ist, was Handys angeht, ein Exot: Der 58-Jährige hat noch nie eins besessen. Nur einen Festnetzanschluss hat er, um Treffen mit seinen Freunden zu vereinbaren. Er sagt: „Ich bin froh nichts die ganze Zeit dabeihaben zu müssen, außer meinen Schlüssel, Feuerzeug und ein bisschen Geld“.(MIT BSF/TB/KOF/DPA)