Ich bin ein höchst geruchsempfindlicher Mensch und leide darunter, dass es allenthalben riecht. Parfümwolken umgeben einen in der U-Bahn; in Taxis hängen Duftbäumchen, die leichte Übelkeit erzeugen können. In die Toilette, so teilt mir der Drogeriemarkt mit, muss ein Duftstein, der den Ozean simuliert, in Mülleimer und Geschirrspülmaschine gehört ein Deo aus Zitrone und Minze. Gelegentlich werden Gerüche mit anderen bekämpft, die so viel besser nicht sind.
Vor einiger Zeit habe ich in einem thailändischen Hotel Duft-Kurse besucht. Ich lernte, Bouquets aus Blütenblättern herzustellen, Raumsprays zu produzieren und zu verstehen, dass es beim Duft eine Kopf-, eine Herz- und eine Basisnote gibt. Sie bilden eine Duftpyramide. Die Kopfnote enthält die Aromen, die man zunächst riecht. Sie vermittelt den ersten, entscheidenden Eindruck. Parfümhersteller nehmen meist zitrische, grüne, aquatische und luftige Duftstoffe. Dann kommt die Herznote. Sie bestimmt den Charakter – mit blumigen, fruchtigen und krautigen Noten. Zum Schluss die Basisnote. Sie verleiht dem Parfüm Tiefe und macht es haltbar. Die Basisnote enthält holzige und harzige Noten. Ich übte, beim Mischen von Duftnoten das Verhältnis von Kopf-, Herz- und Basisnote einzuhalten (30:50:20) und die Öltröpfchen in sauberes Ethanol zu geben. Es duftete paradiesisch. Und sonst in der Welt? Es riecht allenthalben. Manches stinkt sogar zum Himmel. Da tut es gut, selber für guten Geruch und Harmonie zu sorgen – nicht allein über Parfüm und Raumduft.
Der Apostel Paulus hat Freunden geschrieben: „Von euch ist gekommen ein lieblicher Geruch.“ So angenehm sind sie für ihn gewesen. Ich erinnere mich, dass ich – ohne an den Apostel zu denken – beim ersten Kennenlernen zu meinem Mann sagte: „Sie riechen aber gut!“ Er war irritiert, hat es mir aber nicht nachgetragen. Wir feiern dieses Wochenende den 27. Hochzeitstag.
Menschen, die man gut riechen kann, haben etwas Frisches, Weltoffenes an sich, zeigen sich freundlich, gelegentlich auch mal krautig-grantig-kantig. Sie sind meist geerdet und zum Anlehnen, wenn man sie braucht. Und sie sind geistreich, besitzen Spirit, der mitreißt. Kopfnote einsetzen, Herz ausspielen und mit den Füßen fest am Boden bleiben: So bringt man frischen Wind und Klarheit ins Leben. Aus meinem Kurs habe ich ein Fläschchen mitbekommen, einen Roll-on-Stift mit würzig-kräutrigem Duft. Auf dem steht „Open Mind“. Habe ich immer dabei.