Ultraschall für Bayerns Böden

von Redaktion

Um an Daten zu kommen, geben Vibro-Trucks kontrollierte Schwingungen in den Untergrund ab. © DMT/Privat (3)

Schematische Darstellung der Seismikmessung mit Vibro-Fahrzeug und den empfindlichen Erdmikrofonen. © SWM

Vibro-Trucks mit Erdmikrofonen führen im Raum München Messungen durch.

München – Es rüttelt und dröhnt in vielen Regionen rund um München. Etliche große Fahrzeuge sind gerade unterwegs, um das Geothermie-Potenzial unter der Erde zu erfassen – sogenannte Vibro-Trucks. Seismografische Messungen hat es auch zuvor immer wieder mal gegeben. Allerdings noch nie in dieser Größenordnung. Die Fläche des Forschungsprojekts GIGA-M umfasst gut 11.000 Quadratkilometer und mehr als 60 Kommunen im Großraum München.

Es ist eine der größten zusammenhängenden Landseismik-Messungen Europas. Ziel ist es, ein durchgängiges dreidimensionales Bild des gesamten Untergrunds zu bekommen, erklärt Michael Silva, Sprecher der Stadtwerke. Auf Basis dieser Daten soll die Erdwärmenutzung vorankommen. Geothermieprojekte können so künftig effizienter und präziser geplant werden. Denn Planer wissen dadurch, wo sich unterirdisch genug heißes Wasser befindet, das als Energiequelle genutzt werden kann (siehe Kasten). Diese Daten werden dann allen interessierten Kommunen und Geothermie-Betreibern zur Verfügung gestellt.

Um die Daten zu bekommen, geben die Vibro-Trucks kontrollierte Schwingungen in den Untergrund ab. Die Signale werden an Gesteinsgrenzschichten reflektiert und anschließend von tausenden kleinen Messgeräten aufgezeichnet. Diese empfindlichen Erdmikrofone (sogenannte Geophone) werden an bestimmten Messlinien ausgelegt. So entsteht ein hochauflösendes 3D-Modell des Untergrunds, vergleichbar mit einem Ultraschallbild der Erde. Das Projekt kostet 20 Millionen Euro, elf Millionen davon übernimmt der Bund.

Die Vibro-Trucks sind entlang der vorgesehenen Messstrecken unterwegs. Begonnen hat die Messung im südlichen Landkreis München. Die Trucks arbeiten sich jetzt weiter durch den nördlichen Teil des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen sowie Teile der Landkreise Miesbach, Starnberg und Fürstenfeldbruck. Ab September sind sie auch im Münchner Stadtgebiet unterwegs. Danach führt die Route in den nördlichen und östlichen Landkreis München sowie die Landkreise Dachau, Freising, Ebersberg und Erding.

Die Auswirkungen auf den Verkehr sollen so gering wie möglich gehalten werden. Die Trucks fahren in kleinen Kolonnen, halten für wenige Minuten an und fahren dann weiter – ähnlich wie die Abfallentsorgung. Vergleichbar ist auch die Geräuschkulisse, sagt der Stadtwerke-Sprecher. In vielen Regionen fanden vorab Info-Veranstaltungen statt, um die Anwohner über die Untersuchung zu informieren. Und um ihnen die Sorge zu nehmen, die Rüttel-Arbeiten könnten Schäden an Häusern verursachen. Begleitend zu den Arbeiten finden Erschütterungsmessungen an den nächstgelegenen Gebäuden statt. Die Arbeiten stoppen, lange bevor es in Richtung des zulässigen Grenzwerts geht, versichern die Projektpartner (das sind neben den Stadtwerken die Technische Universität, Landeshauptstadt und Landkreis München, die Energieagentur Ebersberg-München und die Energie-Wende Garching). Sollte wider Erwarten irgendwo ein Schaden entstehen, werde der erstattet, erklärt Michael Silva. „Bei früheren Messungen ist das aber nie vorgekommen.“

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