Explosion mitten in Augsburg

von Redaktion

Zwei verletzte Passanten: Galt der Anschlag einem Juweliergeschäft?

Ein Roboter zur Bombenentschärfung der Polizei. © Bihlmayer/pa

Bis zu 200 Einsatzkräfte waren gestern in Augsburg vor Ort. © Felix Kirberg/dpa

In dieser Passage am Augsburger Hauptbahnhof gab es in der Nacht eine Explosion. Zwei Passanten wurden leicht verletzt. © Merzbach/NEWS5

Augsburg – Das Schaufenster des Schmuckgeschäfts „Cem Juwelier“ ist gesprungen. Polizisten umgeben am Mittwochmorgen den Laden, haben das Gelände drumherum mit rot-weißem Absperrband abgeriegelt – denn an dieser Stelle war mitten in der Nacht eine Bombe explodiert.

Gegen 3.15 Uhr hatte es laut Polizei eine Detonation in einer Passage des Geschäftshauses am Augsburger Hauptbahnhof gegeben. Dabei wurden zwei junge Menschen im Alter von 17 und 18 Jahren leicht verletzt. Sie erlitten Knalltraumata. Nach Polizeiangaben sind beide Ukrainer. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie zufällig in der Gegend waren – Passanten, zur falschen Zeit am falschen Ort.

Nach Informationen der Augsburger Allgemeinen soll in dem Durchgang, in dem sich auch eine Bank und eine Drogerie befinden, eine Handgranate in die Luft gegangen sein. Dem Blatt nach soll der Sprengkörper an dem Panzerglas des Juwelier-Schaufensters abgeprallt sein. Durch die Explosion wurden weitere Fensterscheiben in der Umgebung beschädigt. Der Tatort ist ein großer Gebäudekomplex, in dem mehrere Arztpraxen und eine Reihe von Läden untergebracht sind. Dass der mutmaßliche Anschlag dem türkischen Laden galt, bestätigte die Polizei aber nicht. „Das sind aktuell Spekulationen“, sagte ein Polizeisprecher dazu.

Der Betreiber ist in Augsburg nicht gänzlich unbekannt: Er führt den Schmuckladen seit 1993 an der Stelle. 2003 hatten ihn Räuber im Geschäft überfallen. Einer schlug ihm dabei mit einem Hammer auf den Kopf. Der Mann brach kurz danach blutüberströmt auf der Straße zusammen. Die Täter wurden schnell gefasst – und zu siebeneinhalb und fünf Jahren Haft verurteilt. Ob das etwas mit der jetzigen Explosion zu tun hat, muss die Polizei prüfen.

Etwa vier Stunden nach dem ersten Knall gab es erneut Aufregung – dieses Mal wegen eines Bombenalarms im benachbarten Bahnhofsgebäude selbst. Man hatte gegen 8.30 Uhr einen verdächtigen Gegenstand im Bahnhofstunnel gefunden. Die Polizei sperrte daraufhin das gesamte Bahnhofsareal ab, der Zugverkehr wurde komplett eingestellt.

Von der Sperrung waren mehr als eine Stunde lang der komplette Regional- und auch der ICE-Verkehr betroffen. Augsburg ist ein Halt auf der viel befahrenen Strecke zwischen München und Stuttgart. Im morgendlichen Berufsverkehr waren zahlreiche Reisende davon betroffen. Zwischen Augsburg und München gibt es auch viele Berufspendler.

Um 10 Uhr dann aber Entwarnung: Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts stellten mithilfe eines Sprengstoffspürhundes fest, dass von dem Gegenstand keine Gefahr ausging. Die Züge konnten wieder rollen.

Während der Hauptbahnhof am Vormittag wieder freigegeben wurde, blieb das Umfeld der nächtlichen Explosion weiter abgesperrt. Bombenexperten des Bayerischen Landeskriminalamtes sowie Sprengstoffspürhunde waren dafür stundenlang im Einsatz. Sie unterstützten vor Ort die Arbeit der Augsburger Kriminalpolizei. An dem Einsatz waren in der Spitze rund 200 Kräfte des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, der Bereitschaftspolizei, des Bayerischen Landeskriminalamts und der Bundespolizei beteiligt.

Nach Angaben des Augsburger Verkehrsverbundes führte der Großeinsatz beim Hauptbahnhof auch in Augsburg zu erheblichen Beeinträchtigungen im Nahverkehr. Nachdem Linienbusse und Straßenbahnen die Haltestellen in Bahnhofsnähe nicht anfahren konnten, wurden Ersatzbusse eingesetzt. Die regulären Busse wurden in der Zeit zu anderen Endhaltestellen umgeleitet.THOMAS GAUTIER

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