Wölfe dürfen in Deutschland in bestimmten Gebieten wieder geschossen werden, eine unkontrollierte Jagd wird es nicht geben. © Armin Weigel/dpa
München – Seit Wölfe immer häufiger auch durch den Freistaat streifen, gibt es Befürchtungen, die Tiere könnten Menschen angreifen. Das Landesamt für Umwelt versucht, solchen teils irrationalen Befürchtungen Fakten entgegenzusetzen: „In den vergangenen 50 Jahren sind in Europa neun Fälle von tödlichen Angriffen auf Menschen bekanntgeworden, fünf davon durch tollwütige Tiere“, berichtet die Behörde und ergänzt: „Zum Vergleich: In Deutschland starben 2007 bis 2009 durch Insektenstiche 45 Menschen, seit 1989 gab es 40 Todesfälle durch Hunde.“
Trotzdem ist der Wolf gefürchtet. Das zeigte sich Ende 2025 im Landkreis Eichstätt. Zwei Wölfe liefen in einem Dorf an einem verwaisten Spielplatz vorbei. Jemand filmte die Szene und veröffentlichte sie im Internet. Danach forderten etliche Menschen den Abschuss der Tiere – obwohl letztlich nichts passiert war.
Im März machte der Bundestag den Weg für einen erleichterten Abschuss von Wölfen frei. Der Wolf wurde ins Jagdrecht aufgenommen, auch der Bayerische Jagdverband hatte das verlangt. Außerdem fordert die Jägervereinigung die Festlegung einer verträglichen Obergrenze der Wolfspopulation in Bayern. Als der Bundestag das Jagdrecht änderte, gingen die Parlamentarier davon aus, dass mittlerweile mehr als 1600 Wölfe in der Bundesrepublik leben. Tierschützer freuen sich über die Rückkehr der Wölfe, Weidetierhalter sorgen sich hingegen um die Sicherheit ihrer Schafe, Ziegen und Kälber.
Um die Gemüter der besorgten Bauern und Schäfer zu beruhigen, haben nun einige Landratsämter festgelegt, dass einzelne Wölfe getötet werden dürfen. Wie berichtet hatte der Landkreis Oberallgäu eine Allgemeinverfügung erlassen, wonach die Wolfsjagd bis Ende Oktober in bestimmten Gebieten erlaubt sein soll. Es handle sich dabei um Gebiete, in denen Nutztiere weiden, heißt es. Dabei soll es aber keine unkontrollierte Jagd auf Wölfe geben. Wenn ein Jäger in seinem Revier einen Wolf tötet, muss er das sofort melden, und die Jagd auf weitere Wölfe soll eingestellt werden.
Der Bund Naturschutz in Bayern hat für die Anordnung überhaupt kein Verständnis. In dem Grenzgebiet zu Österreich sei seit acht Jahren ein Wolf sesshaft, der dort noch nie Schafe oder Rinder gerissen habe, kritisiert der Verband. „Er ist der einzige sesshafte Wolf im bayerischen Alpenraum – einer Region, in der es zudem noch nie Wolfsnachwuchs gab.“
Bekannt ist das Tier unter der technischen Bezeichnung „GW999m“. Mit solchen Kennungen versehen Experten die einzelnen Tiere, um sie bei entdeckten Wolfsspuren mittels Gentechnik identifizieren zu können. Das Umwelt-Landesamt in Augsburg untersucht seit vielen Jahren solche Hinweise und führt alle Wolfsnachweise in einem Internet-Monitoring auf. Dadurch ist bekannt, dass dieser Wolf eigentlich ein Musterexemplar ist, wie ihn sich die Fachleute wünschen – denn er sucht sich seine Beute im Wald und nicht auf den umzäunten Weiden. „Es ist völlig absurd. Die Behauptung, dass von einem Wolf, der nie ein Nutztier gerissen hat, die Gefahr eines ernsten wirtschaftlichen Schadens ausgeht, ist an den Haaren herbeigezogen“, schimpft die stellvertretende BN-Vorsitzende Beate Rutkowski über die Jagdverfügung.
Das Oberallgäu ist kein Einzelfall. Auch das Landratsamt Ostallgäu hat zwei Flächen entlang der Alpenkette zur Wolfsbejagung ausgewiesen. Es handele sich um Gebiete, in denen Landwirte aufgrund des Geländes ihre Tiere nicht zuverlässig schützen könnten. Auch hier wegen „nicht zäunbaren Almgebieten“. Für den BN eine nicht ausreichende Begründung: „Schwer zu schützende Almflächen dürfen nicht automatisch zu Wolfs-Abschussflächen werden“, sagt Rita Poser von der BN-Kreisgruppe. Und Ende vergangener Woche wurde der Wolf auch im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen zum Abschuss freigegeben. Dort wurde ein Weidegebiet zum präventiven Schutz ausgeweiesen, damit die Jagd nötig ist. Der Wolf hatte zuvor in Egling zwei Schafe gerissen (wir berichteten). Wie viele Wölfe bis Ende Oktober nun tatsächlich in Bayern abgeschossen werden, bleibt abzuwarten.DPA