Dirndl-Schwindel im Internet

von Redaktion

So wehren sich Moser, Angermaier & Co. gegen Fake-Shops und Bilder-Klau

Ein Fake-Shop bot das Dirndl für 118 statt 495 Euro an.

Moser Trachten warnt im Internet vor Betrug.

Wehrt sich: Schatzi-Chefin Katharina Lukas. © M. Hangen

Verwechslungsgefahr: Angermaier-Chefin Nina Munz ärgert sich über die linke Internetseite, die Billigdirndl unter dem Namen Angermaier anbietet. © Markus Götzfried

München – Der Preis klang verlockend: Das Dirndl „Shanice“ der Münchner Luxus-Dirndlmanufaktur Schatzi im Internet für 118 statt für 495 Euro. Zu schön, um wahr zu sein. Die Anzeige war ein Fake, sagt Schatzi-Designerin Katharina Lukas. „Wir waren entsetzt, dass dafür sogar unser Foto mit Shanice Messina, der Namensgeberin des Dirndls, geklaut wurde“, ärgert sie sich. Von jedem Schatzi-Dirndl werden nur zwischen 20 und 50 Stück angefertigt.

Der Kampf gegen Fake-Webseiten mit geklauten Fotos, gefälschten Online-Shops und unrealistisch günstigen Preisen ist für kleine Unternehmen wie das von Katharina Lukas eine frustrierende Angelegenheit: Häufig sitzen die Betreiber gar nicht in Europa, sondern in Fernost. Um sich zu schützen, sei Schatzi inzwischen sehr vorsichtig mit Fotos im Internet. „Wir machen selbst kaum mehr Bilder von neuen Modellen, sondern zeigen lieber Fotos von Kundinnen in ihren Dirndln“, sagt Lukas.

Wie erkennt man eine gefälschte Seite? Der große Trachtenausstatter Moser Trachten mit 40 Filialen hat eine große Kampagne gestartet, um Kunden zu warnen. „Das ist eine sehr digitale, weltweit verbreitete Wirtschaftskriminalität“, sagt Moser-Geschäftsführer Rouven Angermann. Ihm tue es „in der Seele weh“, wenn Kunden betrogen werden. Denn eigentlich ist Tracht ja sehr positiv besetzt: „Umso trauriger ist es, wenn man Betrügern auf den Leim gegangen ist.“

Neben einer „krummen Preislage“ sollten insbesondere bei seltsamen Internetadressen, unvollständigem Impressum und dem Fehlen sicherer Zahlungsmöglichkeiten die Alarmglocken läuten, betont er. „Mindestens die Hälfte der Fake-Internet-Trachtenshops möchte einfach nur an die Zahlung der Kunden kommen“, sagt er und fügt an: „Die tauchen kurz vor der Wiesn auf und tauchen dann nach ein paar Wochen wieder ab. Das Geld ist weg, und Ware wird nicht versendet.“

Moser Trachten sucht gezielt solche Seiten, um gegen sie vorzugehen. Das Unternehmen wehrt sich auch gegen Fälscher, die Tracht kopieren. „Hiergegen haben wir weltweit eine Markenüberwachung geschaltet“, sagt Angermann.

Auch Nina Munz war fassungslos, als ihr Instagram ein gefälschtes Angermaier-Dirndl anzeigte: „Ich habe diese Werbung sofort gemeldet, und die Seite ist auch nicht mehr zu finden“, sagt die Angermaier-Geschäftsführerin. Dennoch ist der Kampf gegen Fake-Trachten eine Sisyphus-Arbeit: mühsam, niemals endend und ohne dauerhaften Erfolg. So gibt es immer noch eine Internetseite namens Angermaierwiesn, die Dirndl zu Schleuderpreisen von 95,99 Euro anbietet, aber mit dem Münchner Unternehmen nichts zu tun hat. „Die Seite wurde auf diverse Indizes gesetzt, aber weg ist sie nicht“, sagt Nina Munz.

Zwar sieht die echte Internetseite des Münchner Traditionsunternehmens (trachten-angermaier.de) völlig anders aus und ist hochwertig gestaltet. Doch immer wieder denken Kunden, sie hätten bei Angermaier in München bestellt und minderwertige Ware geliefert bekommen. Nina Munz ärgert das sehr. Sie berichtet: „Wir haben sogar schon Dirndl mit Reklamationen geschickt bekommen, die gar nicht von uns stammten, sondern sonstwo mit billigsten Mitteln hergestellt wurden.“SUSANNE SASSE

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