Die Planegger Buchhändlerin Veronika Böhm freut sich bereits auf den verkaufsoffenen Sonntag im Oktober. © Hlawica
Shoppen am Sonntag – an Kirchweih ist das in einigen Regionen möglich. © dpa
München – Den 18. Oktober hat sich Veronika Böhm schon vor langer Zeit im Kalender markiert. Denn am Kirta-Sonntag findet in Planegg im Kreis München ein verkaufsoffener Sonntag statt. Und als Buchhändlerin will sich Böhm das natürlich nicht entgehen lassen. Sie verkauft in ihrer Buchhandlung Rupprecht seit 21 Jahren Lesestoff für Groß und Klein. Am verkaufsoffenen Sonntag werden jede Menge Menschen unterwegs sein und das Einkaufsangebot nutzen. Entlang der Hauptstraße werden mobile Stände aufgebaut sein, angeboten werden Handarbeiten, Live-Musik und gastronomische Schmankerl. Und natürlich möchte Böhm, dass die Leute dann auch in ihren Laden kommen. „An diesem Tag haben die Besucher Zeit“, sagt sie. Oft sind es auch Menschen aus umliegenden Gemeinden, die ihren Laden noch nicht kennen. Auch das Personal hat am Sonntag mehr Zeit und könne umfassend beraten. Aus Erfahrung weiß Böhm: Selbst wenn die Kunden an diesem Tag nichts kaufen, bleibt ihnen ein positiver, erster Kontakt mit einem Laden in Erinnerung. „Meistens kommen sie wieder.“
Veronika Böhm ist nicht die einzige Einzelhändlerin, die dankbar ist, dass es im Würmtal zweimal im Jahr verkaufsoffene Sonntage gibt – im Herbst zur Kirta und im Frühjahr zur Dult. Fünf Stunden lang dürfen die ortsansässigen Geschäfte dann ihre Türen öffnen. In vielen europäischen Ländern wie England, Portugal oder Schweden ist das Einkaufen am Sonntag längst Normalität. In Deutschland trat vor genau 70 Jahren das Gesetz für Ladenschluss in Kraft, in dem der Sonntag als absoluter Ruhetag ausgewiesen ist. Doch die Debatte um verkaufsoffene Sonntage entbrennt seit Jahren immer wieder aufs Neue.
Während Handelsverbände und Teile der Politik auf eine Liberalisierung drängen, halten Gewerkschaften an der Sonntagsruhe fest. Allerdings ermöglicht das bayerische Ladenschlussgesetz Ausnahmen. An vier Sonn- oder Feiertagen pro Jahr dürfen die Läden aufsperren, wenn es einen Anlass wie zum Beispiel die Kirta gibt. Seit vergangenem Sommer sind auch Einkaufsnächte oder -abende mit Öffnungszeiten bis 24 Uhr in begrenzter Zahl möglich. Und Tourismusorte dürfen an bis zu 40 Sonntagen auch Bade- oder Sportartikel und regionale Waren verkaufen.
„An diesen Tagen zählt nicht nur der Kassenbon“, betont Bernd Ohlmann, der Sprecher des Handelsverbands Bayern. Die lockere ungezwungene Atmosphäre an den verkaufsoffenen Sonntagen diene allen. „Händler präsentieren sich, Kunden lassen sich inspirieren.“ Ohlmann sieht darin eine Chance, inhabergeführte Läden mehr in den Fokus zu rücken. Denn sie müssten gegen den Internethandel konkurrieren, bei dem es keine Ruhetage gibt. Der Einzelhandelsverein würde sich wünschen, dass der erste Sonntag im Dezember in Bayern grundsätzlich verkaufsoffen gestaltet werden kann. Andere Bundesländer handhaben das bereits so. „Leider hat sich die Staatsregierung aber erneut dagegengestellt“, sagt Ohlmann.
Auch andere Gemeinden nutzen die Kirta, um einen verkaufsoffenen Sonntag zu organisieren. Poing im Kreis Ebersberg zum Beispiel. Dort findet gleichzeitig eine Gewerbeschau und der Poinger Klimatag statt. Doch vereinzelt ist dort auch Kritik zu hören. Es sei nicht immer leicht, für die Sonntage Personal zu finden, berichten Ladeninhaber. Trotz der Zuschläge aufs Gehalt.
Angela Frey kann das nicht bestätigen. Sie ist Inhaberin vom Spielwarengeschäft „Tausend“ in Wolfratshausen. Dort sperren die Läden nicht nur viermal im Jahr sonntags auf. Es gibt durch die neue Regelung auch drei lange Einkaufsnächte. Frey und ihr Team sind jedes Mal dabei. „Ich sehe es als stressfreie Chance, eine gute Kundenbindung aufzubauen und auch neue, ortsfremde Besucher auf unser Sortiment aufmerksam zu machen“, sagt sie. Für die Wolfratshauserin ist es deshalb an diesen Tagen besonders wichtig, dass sie die Menschen persönlich begrüßt, berät und auch an der Kasse steht. „Ich freu mich riesig drauf“, betont sie.
Eine Übersicht
über alle Termine für verkaufsoffene Sonntage in Bayern gibt es unter www.verkaufsoffener-sonntag.com.