Damenschneiderin Lucia Stolz aus Isen.
Die Schere gleitet über den Stoff, Stück für Stück entsteht aus einem Schnittmuster ein neues Kleidungsstück. An einem Haken hängen Schnittmuster für Dirndl, Mieder und Blusen. Lucia Stolz kennt jeden Handgriff. In ihrer Nähstube in Isen wird zugeschnitten, gesteckt und genäht: Aus verschiedenen Stoffen entsteht schließlich ein Stück bayerische Tracht. Das Nähen des Traditionsgewands ist Stolz’ große Leidenschaft. Das war aber nicht immer so: Die Passion zum Dirndlnähen hat sich erst mit der Zeit entwickelt, erzählt sie. In jungen Jahren hat sich die 63-Jährige zur Damenschneiderin in Dorfen ausbilden lassen. Damals mit Schwerpunkt Stoff und Leder – heute nutzt sie dieses Wissen immer noch: „Deswegen kann ich auch Lederhosen abändern. Dazu braucht man eine spezielle Ledermaschine“, erklärt sie.
Bereits seit zehn Jahren gibt Stolz Kurse, in denen sie zeigt, wie man ein Dirndl näht. Gemeinsam mit Michaela Heiner Weber aus Kirchberg bietet sie im Heimatmuseum Thal Nähkurse an. Sie zeigen den Kursteilnehmerinnen an sechs Abenden, wie das Traditionskleid entsteht. „Ich lasse keine Teilnehmerin hinausgehen, wenn sie nicht zufrieden ist“, betont sie. „Ein Dirndl soll sitzen“ und die Vorzüge einer jeden Frau betonen. „Ich finde, ein Dirndl kann jede Frau tragen“, sagt die Schneiderin, die auf Kundenwunsch auch Trachtenkleider anfertigt. „Es ist einfach kleidsam an jeder Frau und Figur.“
Der Trend gehe zur klassischen Form zurück, weiß die Expertin. Weg von „den neckischen kurzen Dirndln aus Synthetikstoffen“ und zurück zum „Klassiker, den man sich in zehn Jahren noch anschauen kann“. Schlichte Farbkombinationen, ruhige Muster und Naturmaterialien seien angesagt. „Am liebsten ist mir möglichst wenig Synthetik – also Naturmaterialien wie Leinen, Baumwolle oder Wolle“, erklärt die Damenschneiderin.TANJA MAIER