Auch in Schweizer Skigebieten sind Bagger im Einsatz.
Die Schneedepots haben unter dem extrem heißen Sommer gelitten. © alpinfans.com, imago
Noch versteckt sich der Altschnee im Kaunertal unter Planen. In zwei Wochen soll aus ihm eine Skipiste planiert werden.
Kaunertal – Die Sonne scheint vom tiefblauen Himmel auf das graue Gestein, 13 Grad im Schatten. Seltsame längliche Haufen liegen unter weißen Planen, die an manchen Stellen im Wind flattern. So sieht es derzeit im Gletscherskigebiet Kaunertal in Tirol aus. Kaum vorstellbar, aber hier soll in zweieinhalb Wochen die Skisaison starten. In den Gletscherskigebieten der Alpen wird derzeit gebaggert, planiert, gemeißelt und gesprengt – weil der Rekordsommer das Eis zurückweichen ließ wie nie.
„Wir legen heuer am 26. September los, sogar eine Woche früher los, als voriges Jahr“, erklärt Hansjörg File, Betriebsleiter und Pistenchef der Kaunertaler Gletscherbahnen. „Der Termin steht.“ 25 Schneepots wurden Ende des vorigen Winters angelegt. „Es ist zwar etwas weniger als vor einem Jahr, aber wir werden eine Piste am 1,5 Kilometer langen Sonnenlift herrichten können.“
Vier Tage vor dem Termin würden die Folien abgezogen und der Altschnee verteilt. „Der erste Skiverein hat sich für das Wochenende schon angemeldet“, erzählt File. Eines wird es aber wohl nicht geben: „Die Temperaturen werden für eine Beschneiung nicht ausreichen, dafür ist es zwischen 2500 und 3000 Metern zu warm.“ Dafür würde auch das Wasser im Weißsee nicht genügen.
Auch am Kitzsteinhorn im Salzburger Land soll die Skisaison bald starten. Derzeit ist der 10. Oktober als Termin angepeilt. Hier hat sich der Gletscher Schmiedinger Kees dramatisch zurückgezogen, zerfurchtes und wild zerklüftetes Gestein kam zum Vorschein. Drei Bagger sind für die Umgestaltung der Poiste im Einsatz, mit riesigen Meißeln werden die Felshöcker planiert.
Es sei eine rein technische Anpassung und keine Erweiterung, sagt Thomas Maierhofer, Vorstand der Gletscherbahnen Kaprun, gegenüber dem ORF. Die Genehmigungen dazu lägen bereits vor. Die Grünen im Salzburger Landtag kritisieren die Eingriffe. Wo sich das Eis zurückzieht, würden neue hochalpine Flächen entstehen, die man schützen müsse, erklärt die Landessprecherin Martina Berthold und ergänzt: „Man darf nicht jedem schmelzenden Gletscher einen Bagger nachschicken.“
In Kärnten greift man zu noch drastischeren Mitteln: Der Mölltaler Gletscher hat seit 2020 etwa 42 Prozent seiner Fläche verloren. Die Betreiber des Skigebiets planen laut ORF Pistenkorrekturen auf dem Schareck, auch mit Sprengungen.JOHANNES WELTE