LIEBE KINDER

von Redaktion

Gestern saßen Klara und ich am See und beobachteten ein paar Zweibeiner-Kinder, die ein Plakat gestalteten. Darauf hatten sie eine DNA-Doppelhelix gemalt, also den Bauplan des menschlichen Körpers. Darunter standen die Namen berühmter Forscher: James Watson und Francis Crick. „Schau mal, wie fleißig die sind!“, schnatterte Klara beeindruckt. „Tja, schade nur, dass auf dem Plakat ein Name fehlt“, quakte plötzlich eine Stimme hinter uns. Es war natürlich Agnes.

„Wer fehlt?“, wollte ich wissen. Agnes seufzte tief und quakte: „Die Kinder haben dort nur die männlichen Wissenschaftler aufgeschrieben. Eine Frau namens Rosalind Franklin, die eigentlich die entscheidenden Röntgenbilder für diese Entdeckung geliefert hat, wird gar nicht erwähnt. Das ist ein klassisches Beispiel für den sogenannten Matilda-Effekt!“

Agnes erklärte, dass das Phänomen nach Matilda Joslyn Gage benannt wurde. Sie lebte im 19. Jahrhundert und beschrieb als Erste, wie Frauen der Ruhm für ihre eigenen Erfindungen weggenommen wurde. „Das passiert wirklich öfter?“, fragte Klara entsetzt. Agnes nickte. „Oh ja! Denkt nur an Lise Meitner. Sie hat zusammen mit Otto Hahn geforscht und die physikalische Erklärung für die Kernspaltung geliefert. Aber wer hat den Nobelpreis ganz allein bekommen? Otto Hahn. Lise Meitner ging leer aus! Oder Jocelyn Bell Burnell, die als Erste ein ganz bestimmtes Signal im Weltall – einen Pulsar – entdeckte. Den Nobelpreis strich am Ende ihr Doktorvater ein.“ Eure Paula

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