Das bayerische Meer: Blick über den Chiemsee von Gstadt auf die Fraueninsel.
Georg Klampfleuthner bei der Arbeit in seiner Töpferei auf der Fraueninsel. Den Betrieb gibt‘s seit 1609.
Auf dem Chiemsee: Emanuel (l.) und sein Papa Wolfram von Oy mit Hund Bob auf dem Schiff zur Fraueninsel. © Martin Hangen (4)
Prien – Seine Anziehungskraft ist enorm: Millionen von Tagestouristen kommen jedes Jahr an den Chiemsee. Doch das Bayerische Meer lockt auch regelmäßig Einheimische aus dem Chiemgau an. So wie Emanuel von Oy (33), der den Christkindlmarkt auf der Fraueninsel organisiert, und seinen Vater, den bekannten Barfußbergsteiger Wolfram von Oy (70). Die beiden betreiben eine Garten- und Landschaftsbaufirma in Griesstätt. Hier verraten sie ihre Lieblingsstellen und Lieblingsschmankerl rund um den Chiemsee.
Fraueninsel
Das Passagierschiff Irmingard tutet und schiebt sich schaukelnd durchs Wasser. Emanuel von Oy lacht, er liebt diesen Moment. „Am schönsten ist es morgens auf der Fraueninsel“, schwärmt er. „Dann herrscht dort eine besondere Stimmung und es ist wenig los.“ Als er ein kleiner Bub war, mietete seine Mutter oft ein Ruderboot beim Bootsverleih Grünäugl, direkt neben der großen Schiffsanlegestelle in Gstadt. In 15 Minuten ist man drüben. Aber Rudern macht hungrig. Bis heute stärkt sich der 33-Jährige gerne mit einer Fischsemmel. Ein Ritual. Sechs Fischerfamilien der Insel werfen täglich ihre Netze aus, darunter die Chiemseefischerei Lex in der Nähe des Nordstegs. Eine Semmel mit geräuchertem Renkenfilet oder gebeizt nach Matjes-Art kostet 7,50 Euro. Die kann man auf einem Bankerl am Wasser genießen. Gerne kehrt von Oy beim Inselbräu ein. Das Besondere: Braumeister Daniel Hagen braut dort sein eigenes Bier. „Das gibt es nur auf der Insel, direkt aus dem Zapfhahn“, erklärt Emanuel von Oy und trinkt einen Schluck auf der Terrasse mit Blick auf den Glockenturm der Klosterkirche.
Wenn Emanuel von Oy über die Fraueninsel spaziert, muss er oft stehen bleiben, Leute grüßen, ratschen. Als Organisator des Christkindlmarkts kennen ihn viele der rund 200 Einwohner. Unterm Jahr kauft der 33-Jährige oft im Klosterladen ein. Sein Favorit: Chiemseer Wildfrucht-Likör (0,2 Liter à 6 Euro) oder ganz klassisch der Magenbitter (0,2 Liter à 6,90 Euro) nach Originalrezept der Benediktinerinnen-Abtei Frauenwörth. Hergestellt wird der Alkohol inzwischen in der Brennerei Stettner in Kolbermoor. „Bis heute vor Ort in der Klostermanufaktur produziert wird aber das Chiemseer Marzipan“, erklärt Emanuel von Oy. 500 Gramm „Pilgerbrot“, so wie es früher genannt wurde, kosten 13 Euro.
Nach seinem Einkauf rastet Emanuel von Oy im schattigen Lindenhain auf dem höchsten Punkt der Insel. Der älteste Baum des Naturdenkmals ist die Tassilolinde, die mindestens 500 Jahre alt sein soll. Unweit davon liegt die bekannte Inseltöpferei. Inhaber Georg Klampfleuthner, der zugleich Bürgermeister ist, sitzt an der Töpferscheibe. „Den Betrieb gibt es seit 1609.“ Kerngeschäft sind Öfen mit Kacheln nach historischen Formen aus Renaissance, Barock oder Rokoko. Aber es gibt auch viel Keramik zum Mitnehmen: Kaffeetassen, Müslischalen oder Kannen.
Herreninsel & Hochries
Es kommt nicht auf die Hornhaut an, sondern auf die mentale Stärke. Davon ist Wolfram von Oy überzeugt. Seit 40 Jahren ist der Mann mit dem grauen Rauschebart als Barfußbergsteiger unterwegs. Seine erste Frau stammte aus Italien. „Die war es gewohnt, barfuß in den Bergen herumzulaufen“, erzählt der 70-Jährige. Das faszinierte ihn, und er trainierte lange ohne Schuhe. Und kraxelte oft nach der Arbeit auf die Hochries (1569 Meter) in den Chiemgauer Alpen. 1400 Mal in sechs Jahren. Sie gehört zu seinen Lieblingstouren. Startpunkt ist der Wanderparkplatz Spantenau, von dort geht es über die Seitenalm hinauf zur bewirtschafteten Hochrieshütte. Auf der Speisekarte stehen bayerische Brotzeiten, wechselnde warme Schmankerl und hausgemachte Kuchen. Aber auch unten im Tal ist Wolfram von Oy gerne draußen unterwegs. Zum Beispiel auf der Herreninsel, wo es fernab der vielen Touristen, die zum Schloss Herrenchiemsee strömen, einsame Spazierwege durch Wald und Wiesen mit tollen Aussichtspunkten gibt. Der Rundweg um die Insel dauert etwa zwei Stunden.
Badeplatz in Prien
Abkühlung sucht Wolfram von Oy am liebsten am Badeplatz Schraml in Prien (Harrasser Straße 39), gegenüber dem Kletterwald. „Hier ist es einfach besonders schön“, sagt er. Der Eintritt zum Strandbad ist frei, die Tagestickets am Parkplatz kosten 5 Euro. In einem Bereich hinter dem Badeplatz ist es erlaubt, Hunde ins Wasser zu lassen. Das freut auch Wolfram von Oy und seinen Schäferhundmischling Bob.