Leben retten im Flug

von Redaktion

Christoph 14 transportiert seit 50 Jahren große und kleine Patienten

Der Rettungshubschrauber Christoph 14 aus dem Landkreis Traunstein im Einsatz. © Sebastian Pieknik/BRK

München/Traunstein – Robert Portenkirchner sitzt mit seinen Kollegen in der Kaffeeküche. Eine kurze Verschnaufpause. Doch es dauert nicht lange, da schlägt sein Piepser wieder an. Ein kleines schwarzes Gerät, das der Notfallsanitäter immer bei sich trägt und auf dem die Infos der Leitstelle eingehen. Nun muss es schnell gehen. Denn Portenkirchner und seine Kollegen haben nur zwei bis drei Minuten Zeit, um mit dem Rettungshubschrauber Christoph 14 in der Luft zu sein. Pro Tag hat der Hubschrauber, der auf dem Dach des Klinikums Traunstein stationiert ist, etwa vier bis fünf Einsätze. Heute feiert er seinen 50. Geburtstag.

Auf Christoph 14 ist bereits seit September 1976 Verlass. Er kommt dann, wenn er deutlich schneller am Einsatzort ist als ein Rettungswagen. Meistens geht es um kritische Fälle. Unterwegs ist Christoph 14 etwa in den Chiemgauer oder den Berchtesgadener Alpen. Die Nummer 14 steht für seine Rettungsstation, denn jede hat eine eigene Nummer. Der Name leitet sich vom heiligen Christophorus ab, dem Schutzpatron der Reisenden.

„Circa 20 Prozent unseres Einsatzgebietes sind im Hochgebirge“, sagt Portenkirchner. Wenn er und seine Kollegen gerufen werden, kann das also ziemlich spektakulär werden. „Wir werden zu einem Notfall alarmiert und sind eine halbe Stunde später an der Watzmannspitze, um einen Patienten zu versorgen.“

Gebirge bedeutet: viel unwegsames Gelände und im Winter Lawinengefahr. An der Maschine ist unter anderem für diese Einsätze eine Rettungswinde mit einem 90 Meter langen Seil angebracht. Also ein Höhensicherungsgerät, um Personen abzuseilen oder Verletzte zu bergen. „Für uns ist die Rettungswinde definitiv unersetzlich. Wo eine Landung nicht möglich ist, kann man damit zum Beispiel den Notarzt oder Bergretter runterlassen.“ Auch zu Verkehrsunfällen fliegt Christoph 14 oder etwa zum Chiemsee. „Wenn dort Personen in Not geraten, sind wir schnell vor Ort und können Hilfe leisten.“

Seit 15 Jahren ist Portenkirchner aus Waging am See bereits leitender TC-HEMS. Das ist die Fachbezeichnung, wobei „TC“ für „Technische Crew“ steht und „HEMS“ für „Helicopter Emergency Medical Services“ – also notfallmedizinische Versorgung mittels Hubschrauber. „Der Beruf ist sehr facettenreich“, sagt der 48-Jährige. Die Notfallsanitäter sind vom Bayerischen Roten Kreuz, die Piloten von der Bundespolizei, die Ärzte von der Notarztgemeinschaft Traunstein. Besondere Einsätze sind unter anderem die mit Kindern. Das können Fieberkrämpfe, ein gebrochenes Bein, Verkehrsunfälle oder auch Unfälle in den Bergen sein. „Wenn Kinder betroffen sind, ist häufig ein Luftrettungsmittel dabei.“ Denn oft sind die Kliniken, die auf Kinderversorgung spezialisiert sind, weiter entfernt. Dann wird der Hubschrauber für den Transport angefordert.

„Wenn Einsätze mit Kindern gut ausgehen, ist das sehr schön“, sagt Portenkirchner. Das Besondere: Einige sieht er beim Nikolausflug wieder. Eingeladen sind die Kinder, die im Laufe des Jahres von der Crew des Hubschraubers versorgt wurden. Christoph 14 landet dann vor ihren Augen auf dem Dach des Klinikums Traunstein, ein Nikolaus steigt aus und übergibt Geschenke. Außerdem können die Kinder und auch die Einsatzkräfte das Geschehene an dem Tag gemeinsam verarbeiten.

Denn der Job verlangt den Menschen viel ab. Und die Helfer müssen einige Voraussetzungen für die Weiterbildung erfüllen. „Das Auswahlverfahren ist relativ streng“, sagt Portenkrichner. Wer hoch in die Luft will, muss zum Beispiel viel Erfahrung als Notfallsanitäter mitbringen sowie Kenntnisse in der Gebirgsluftrettung. Auch gesundheitlich müssen die Anwärter fit sein. Neben der medizinischen Versorgung kommt unter anderem dazu: Navigation zur Einsatzstelle, Triebwerke vor dem Start prüfen, während des Flugs Ausschau nach Kränen von Baustellen halten. An Bord läuft alles immer nach den gleichen Standards ab.

Das Luftrettungsnetz in Deutschland ist nahezu flächendeckend und besser aufgebaut als in den meisten anderen Ländern weltweit. „Die Luftrettung ist ein unverzichtbarer Teil des Rettungssystems“, betont Portenkirchner. Und seit 50 Jahren gehört auch Christoph 14 dazu.FRANZISKA WEBER

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