Atelier im Schloss: Maler Paul Klee war dort drei Jahre.
Hinter einer Tür versteckte sich Autor Ernst Toller.
In der Guardini-Bibliothek befindet sich die Privatsammlung des deutsch-italienischen Theologen.
Märchenhafte Idylle: Am Sonntag können Interessierte das Schloss Suresnes kostenlos besichtigen. Vorträge zum Gelände lassen die Geschichte lebendig werden. © Luca Hegers (2)
München – Durch die Fenster des Schlosses Suresnes in Schwabing blickt Sophia Haggenmüller nach draußen. „Ich fühle mich sehr privilegiert“, sagt die Studienleiterin der Katholischen Akademie in Bayern. Für sie ist der Blick auf den Schlosspark nichts Alltägliches – auch wenn sie ihn während ihrer Arbeit immer wieder genießen kann. Sie arbeitet dort, wo zahlreiche Adelige, Industrielle und Künstler gewirkt haben.
An diesem Sonntag können Interessierte das barocke Lustschlösschen besichtigen, das sonst der Öffentlichkeit verborgen bleibt. Das restliche Jahr ist es Ort festlicher Veranstaltungen der Katholischen Akademie in Bayern und bietet Raum für Übernachtungen.
Das Besondere an Suresnes sind neben der prächtigen Architektur die zahlreichen Menschen, die dort ihre Spuren hinterlassen haben. 1715 bis 1718 wurde das Schloss vermutlich durch Johann Baptist Gunetzrhainer nach dem Vorbild des Château de Suresnes bei Paris für den Kabinettsekretär Franz von Wilhelm errichtet. Dort hatte Wilhelm während des Exils von Kurfürst Max Emanuel einige Monate mit ihm verbracht. Seitdem hatte das Schloss 29 Eigentümer. „Am Anfang Adelige, später Industrielle und dann Künstler“, sagt Haggenmüller.
Ende des 19. Jahrhunderts war das Schlösschen ein beliebter Treffpunkt für junge Künstler. Darunter auch der Maler Paul Klee, der von 1919 bis 1921 sein Atelier im Schloss hat. Sein Sohn schrieb später, dass „die Umgebung des verlotterten Palais mit seinem noch mehr verwahrlosten Park“ seinen Vater inspiriert habe.
Heute ist es schwer vorstellbar, dass sich in diesen Räumen einmal ein gesuchter Revolutionär versteckte. 1919 fand der Schriftsteller Ernst Toller im Schloss Zuflucht. Er wurde aufgrund seiner jüdischen Wurzeln verfolgt. Drei Wochen lang tauchte er dort unter. Schließlich entdeckte ihn die Polizei hinter einer mit Bildern verhängten Tapetentür. Wo genau sich das Versteck befand, lässt sich heute nicht mehr sicher sagen, erklärt Haggenmüller.
Heute sitzen in den Räumen, in denen schon so viele Menschen gewirkt haben, die Angestellten der Katholischen Akademie. Die Erzdiözese ist Eigentümerin und hat das Schloss an die Akademie verpachtet. Dort finden Sitzungen und Tagungen statt. „Es ist toll, für eine Sitzung hier im Schloss sein zu dürfen“, meint sie.
Interessierte können nicht nur am Tag des offenen Denkmals einen Blick ins Innere des Schlosses erhaschen: Die Akademie bietet in modernisierten Räumen auch Übernachtungen an. Ein bekannter Münchner ist in Suresnes zwar nie eingezogen, trotzdem ist er heute im Schloss allgegenwärtig: Hans Maier. Die Privatbibliothek des ehemaligen bayerischen Kultusministers steht in einem der Räume. „Das sind Werke, die er besessen hat und die in Summe illustrieren, wer er war“, sagt sie mit Blick auf die üppig gefüllten Regale. Ausgehend von seiner Büchersammlung eröffnet sich auf dem halbrunden Balkon der Blick auf den Schlosspark. Haggenmüller freut sich über die Möglichkeit, die Sitzungspause auf dem Balkon oder im Garten verbringen zu können.
Im Erdgeschoss befindet sich die Privatbibliothek des Theologen Romano Guardini, welcher die Modernisierung der katholischen Kirche im vergangenen Jahrhundert vorangetrieben habe und von besonderer Bedeutung für die Akademie sei, sagt Haggenmüller. Guardini habe zwar nicht im Schloss gewohnt, aber seine „Bücher haben ihr endgültiges Zuhause hier gefunden“.
Haggenmüller zeigt auf eine waldgrüne, mit Stuck verzierte Wand in der Guardini-Bibliothek. „Hinter dieser Wand verbirgt sich eine Heizung.“ Gemeinsam setzten die Akademie und die Erzdiözese „sehr aufwendige und denkmalsensible“ Renovierungen um, um neue Brandschutzauflagen erfüllen zu können und das Schloss energetisch fit zu machen. So fügt sich etwa die Deckenbeleuchtung unauffällig in derselben Farbe wie die Decke in den Raum ein.
„Mit diesem Schloss hat die Akademie auch eine Aufgabe. Wir wollen es Interessierten zugänglich machen, und der Tag des offenen Denkmals ist dazu eine schöne Gelegenheit“, erklärt Haggenmüller. „Wir wollen uns hinter diesen Mauern nicht verschanzen.“