Das lange Warten auf Kay

von Redaktion

Nach geplatztem Aneurysma: Familie bangt um dreifachen Vater

Der Papa und seine Söhne: Kay Husseck mit Florian, Sebastian und Benjamin (von links).

Ein Bild aus glücklichen Zeiten mit ihrem Mann Kay. Michaela Husseck glaubt fest daran, dass er wieder gesund wird. © privat (2)

Lengdorf – Gerade möchte Michaela Husseck erzählen, was seit dem Schicksalsschlag ihres Mannes passiert ist. Da klopft es an der Terrassentür. Volker Schrath steht draußen. Einer der Nachbarn, die seit Monaten da sind, helfen, nachfragen. „Ich wollte dir nur Bescheid geben, ich war gerade bei Kay. Er war relativ wach“, sagt er. „Hast du eine Idee, was man ihm vorlesen könnte?“ Sie überlegt kurz. „Etwas mit Autos oder Bergen. Oder was Lustiges. Du kennst doch seinen Humor.“

Autos, Berge, Humor – drei Dinge, die etwas über Kay Husseck erzählen, den 50-Jährigen, auf den seine Familie seit Monaten wartet, nachdem er nach einem geplatzten Aneurysma notoperiert werden musste. Kay Husseck ist Vater von drei Söhnen und ein Mensch, der offenbar mit fast jedem gut auskommt. „Er ist ein Herzensmensch, hat jedem geholfen“, sagt seine Frau Michaela. Jetzt ist er auf die Hilfe anderer angewiesen.

Der 30. Dezember 2025: Er werkelte in seiner Garage zu Hause in Lengdorf (Kreis Erding). Dass er lange nicht ins Haus zurückkam, war nichts Ungewöhnliches. Kay blieb gerne bei den Nachbarn für ein Schwätzchen stehen. Doch irgendwann ging Michaela Husseck doch auf die Suche nach ihm. Die Autotür stand offen. Sie sah ihn am Boden liegen, er krampfte und röchelte. Nachbarn wählten sofort den Notruf. Ein Hubschrauber flog Kay nach Großhadern. Als er abhob, kam Michaela ein Gedanke, der ihr die Tränen in die Augen spült: „Ich dachte: Ich sehe ihn nicht mehr wieder.“

Es dauerte lange, bis die Familie eine Nachricht bekam. Kay war operiert worden. Die nächsten 24 Stunden seien entscheidend. Die Diagnose: ein geplatztes Aneurysma im Gehirn. Nach der gelungenen Operation stieg der Druck im Kopf massiv an. Die Ärzte mussten einen Teil der Schädeldecke entfernen. „Ich kann gar nicht erklären, wie es mir damals gegangen ist“, sagt seine Frau. Mit dem ältesten Sohn Benjamin (18) fuhr sie in die Klinik. Ihr Mann lag im künstlichen Koma. „Ihn da so liegen zu sehen, war der Wahnsinn.“

Tag für Tag fuhr sie in die Klinik, hielt ihrem Kay die Hand und sprach mit ihm. Kay bekam eine Lungenentzündung, es musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden. Bis zum 19. Januar blieb er dort, dann wurde er in die Reha nach Bad Griesbach verlegt. Sein Zustand verschlechterte sich erneut, sodass die Schädeldecke wieder geschlossen werden musste. Operiert wurde in Großhadern. Zurück in Bad Griesbach machte er zunächst Fortschritte. Doch dann stagnierte die Genesung. Er sei austherapiert, sagten die Ärzte. Sie schlugen vor, ihn in eine Palliativ-Einrichtung zu verlegen. Das kam für seine Frau jedoch nicht infrage.

Die 50-Jährige ist überzeugt: „Kay weiß, wer vor ihm steht. Ab dem ersten Tag habe ich gemerkt, dass er mich erkennt.“ Besonders bei den drei Söhnen ist es für sie offensichtlich: „Die Jungs frisst er mit den Augen.“ Auch seine vielen Besucher berichten von ähnlichen Eindrücken. Für Michaela begann die Suche nach einer neuen Lösung. Der Sozialdienst in Bad Griesbach vermittelte Kay eine Wohngemeinschaft in Trudering. Dort ist rund um die Uhr jemand da. Er bekommt Physio- und Ergotherapie. Er kann Besuch empfangen. Für Michaela Husseck ist das eine große Erleichterung.

Seit Mitte Juni lebt Kay dort. Doch die Intensivbetreuung kostet Geld: Rund 1000 Euro im Monat muss die Familie selbst aufbringen – und viele anderen Ausgaben, wie die hohen Fahrtkosten. Kay bekommt Krankengeld, das jedoch deutlich niedriger ist als sein früheres Einkommen. Und da sind noch die drei Kinder. Der älteste Sohn möchte studieren, Sebastian (14) eine Ausbildung machen. Das Leben läuft weiter, obwohl sich für die Familie alles verändert hat. Florian (11) hat seine Mama gefragt: „Haben wir noch ein T-Shirt, das nach Papa riecht?“

„Ein Spendenpolster ist eine große Erleichterung“, sagt Michaela Husseck dankbar, obwohl es ihr schwerfällt, diese Hilfe anzunehmen. Mit dem Geld möchte sie ihrem Mann zusätzliche Therapien ermöglichen – etwa Akupunktur oder Musiktherapie zur Entspannung. Denn sie hofft, dass Kay wieder nach Hause kommt. „Dann sitzen wir in unseren Strandstühlen unter dem Apfelbaum, mit einem Getränk in der Hand. Alles andere akzeptiere ich nicht.“ Ein Arzt hat ihr einmal gesagt: Viele Patienten drücken gegen eine Tür. Nur der richtige Schlüssel ist noch nicht gefunden.ALEXANDRA ANDERKA

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