Yotam Ottolenghi, der beliebte jüdische Koch und Buchautor, ist in Israel geboren. Er lebt mit seinem nordirischen Ehemann und zwei Söhnen in London. Zusammen mit dem palästinensischen Koch Sami Tamimi hat Ottolenghi zwei Kochbücher geschrieben, eines davon mit dem Titel „Jerusalem“. Darin feiern sie ihre gemeinsame Heimatstadt – und die Verwandtschaft der jüdischen und der arabischen Küche.
Ottolenghi und Tamimi betreiben sogar zusammen Restaurants in der britischen Hauptstadt. Solche Männer wärmen in dieser heillosen, hasserfüllten Zeit die Seele. Woher nehmen sie ihre Kraft? In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte Ottolenghi kürzlich mit Blick auf die Flut beunruhigender Nachrichten: „Wir müssen Momente schaffen, in denen wir Ruhe haben und nicht am Handy sind.“
Er selber schaltet am besten in der Küche ab. Kochen hält der Maestro für eine Möglichkeit, Trost zu finden. Geht mir auch so. Ab an den Herd und her mit der wunderbaren jüdischen Shakshuka und den knusprigen arabischen Falafeln. Warum nicht auch irisches Sodabrot und englische Fish and Chips mit Sauce Tartar? Indisches Butter Chicken und pakistanisches Biryani? Und ein paar Nummern kleiner: Spaghetti Bolognese und Kaspressknödel aus Südtirol?
Crossover, Fusion – wie köstlich, wenn man verschiedene regionale, nationale und internationale Produkte und Zubereitungsmöglichkeiten miteinander verbindet, gar verbindende Verwandtschaft entdeckt. Die ganze Welt an einem Tisch – was für eine Vision. Man darf sie niemals aufgeben, gerade dann nicht, wenn Scharfmacher wieder unterwegs sind. Das sind nicht die mit den köstlichen Gewürzen.
Ottolenghi sagt über das Kochen weiter: „Es löst die großen Probleme dieser Welt nicht. Es lindert nicht das Leid, aber im Leben eines Einzelnen kann es etwas ändern.“ Wenn ich mich alleine, ungestört und fast meditativ durch internationale Gerichte koche, geht es mir gut. Ich habe etwas, worauf ich mich konzentrieren kann und das mir Momente des inneren Friedens schenkt. Aber das ist nicht alles.
Ich koche liebend gerne für Mann und Freunde. Wenn wir tafeln, genießen wir die Vielfalt der Erde und ihrer Produkte, freuen uns an Inspirationen aus anderen Ländern und der eigenen Heimat. Wir sprechen über Kultur und Politik. Nein, das löst keine Probleme. Aber man kann Ideen und Kraft sammeln. Und an einer Welt arbeiten, in der ungewöhnliche Verbindungen nicht nur lukullisch, sondern auch menschlich wunderbar normal sind.