Stresstest im Klassenzimmer

von Redaktion

So viele Schüler wie seit 15 Jahren nicht mehr – aber keine neuen Lehrerstellen

München – Das war‘s mit den Ferien: Am Dienstag geht‘s für Bayerns Schüler und Lehrer wieder los. Und das unter ganz besonderen Vorzeichen. 1,77 Millionen Schüler werden erwartet – so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr und rund 20.000 mehr als im vergangenen Schuljahr, wie Kultusministerin Anna Stolz (FW) am Freitag bei einem Besuch am Gymnasium München-Nord sagte. Ihren ersten Schultag haben am Dienstag rund 132.000 Erstklässler. Auch das ist ein Plus von knapp 2500 im Vergleich zum Vorjahr.

Und bei den Lehrern? Da gibt es heuer trotz steigender Schülerzahlen keinen Zuwachs. Denn die Staatsregierung hat wegen der angespannten Haushaltslage ein Stellenmoratorium verhängt. Heißt: Zum neuen Schuljahr wurden zwar rund 4100 Lehrkräfte eingestellt. Sie besetzen allerdings ausschließlich Stellen, die durch Pensionierungen oder andere Abgänge frei geworden sind. Stolz betont jedoch: Die Unterrichtsversorgung für das neue Schuljahr sei „stabil“ gesichert. „Gleichzeitig rede ich die Herausforderungen durch das Stellenmoratorium nicht klein und sie werden auch an den Schulen spürbar sein“, räumte die Ministerin ein. Umso wichtiger ist laut Stolz die Perspektive für das Schuljahr 2027/28: Dann soll es 1500 zusätzliche Lehrerplanstellen geben. „Das gibt unseren Schulen wieder mehr Spielraum und Planungssicherheit.“ Ab kommender Woche starten bayernweit außerdem rund 5000 junge Menschen in das Referendariat. So viele wie seit Jahren nicht mehr, betonte die Kultusministerin.

Die Opposition im bayerischen Landtag bezweifelt indes, dass die Unterrichtsversorgung in diesem Schuljahr ausreichend gesichert ist. Die Nicole Bäumler (SPD) nannte das Festhalten am Moratorium auch angesichts des schlechten Pisa-Ergebnisses „Mangelverwaltung mit Ansage“. Die Grünen-Abgeordnete Gabriele Triebel sagte: „Wer die Grundrechenarten beherrscht, weiß: Mehr Kinder und weniger Lehrkräfte – das geht nicht auf.“ Ihre Partei fordert deshalb 2000 zusätzliche Lehrer noch für dieses Schuljahr. Auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) kritisiert, dass eine „stabile Unterrichtsversorgung“ nicht die Antwort auf die hohen Schülerzahlen und das schlechte Pisa-Ergebnis sein könne. „Wir müssen Kinder frühzeitig fördern und genau da unterstützen, wo sie Probleme haben. Dafür braucht es mehr professionelle Pädagogen sowie Experten in multiprofessionellen Teams. Die PISA-Gewinnerländer machen es vor“, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Neben der Personalsituation bringt das neue Schuljahr auch einige Änderungen für Schüler und Lehrer. Eine „zeitgemäße Prüfungskultur“ soll starten, wie Stolz ankündigte: Neben klassischen Formaten wie Schulaufgaben und Tests sollen Präsentationen, Projekte, Debatten und praxisnahe Aufgaben künftig stärker als bisher in die Leistungserhebung einbezogen werden. „Leistung hat viele Seiten – und genau die wollen wir sichtbar machen. Deshalb schaffen wir mehr Möglichkeiten für unsere Schülerinnen und Schüler, zu zeigen, was sie können.“

Eine weitere Neuerung: An den Mittelschulen kann die Stundentafel künftig flexibler ausgestaltet werden. Sowohl für ganze Klassen als auch für einzelne Schüler sollen etwa in den Klassen fünf bis sieben bis zu zwei Wochenstunden für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch nach Bedarf umorganisiert werden können. Stolz will damit „mehr Zeit für Basiskompetenzen und individuelles Lernen, noch mehr Praxisnähe und eine engere Verzahnung von Schule und Berufswelt“ erreichen.

Ebenfalls neu ab diesem Jahr: Die private Nutzung von Handys an der Schule wird wie berichtet bis einschließlich der siebten Klasse verboten.TANJA MAIER

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