Houstons geografische Lage begünstigt großflächige Überschwemmungen: Die Millionenstadt ist praktisch flach. Dennoch wurde Houston noch nie evakuiert. Auch nicht, als Hurrikan „Harvey“ auf den Südosten des Bundesstaates Texas zuraste. Houstons Bürgermeister Sylvester Turner muss sich nun, da Bürger auf Häuserdächern gefangen sind oder durch knietiefes Wasser waten müssen, die Frage gefallen lassen, warum er nicht den Befehl zur Evakuierung gab. „Sie können nicht 6,5 Millionen Menschen auf überflutete Straßen schicken“, sagte Turner auf einer Pressekonferenz. „Sie glauben, diese Situation sei schlimm – geben Sie den Befehl zu evakuieren, und Sie erschaffen einen Albtraum.“
Gouverneur Greg Abbott hat 50 Bezirke des Staates zu Notstandsgebieten erklärt. Ihm zufolge sind 3000 Angehörige der Nationalgarde aktiviert und 250 Fernstraßen geschlossen worden, seit „Harvey“ am Freitagabend bei Rockport auf die texanische Küste traf. Die Stadt Houston hat Rettungsboote an strategisch wichtigen Stellen platziert, um Bewohner zu retten, falls das Wasser weiter steigen sollte – wovon nach den aktuellen Vorhersagen zu rechnen ist. Bürgermeister Turner sagt: „Die Menschen müssen ruhig bleiben und dürfen jetzt nicht in Panik ausbrechen.“
Die Auswirkungen des Hurrikans „Harvey“ werden in Houston über Jahre spürbar sein. Wenn der Regen nachlässt und alle Schäden zutage treten, steht Amerikas viertgrößter Stadt eine lange Phase des Wiederaufbaus bevor. Auch andernorts laufen noch Rettungseinsätze, so in Rockport, wo „Harvey“ bei seiner Ankunft als zweitstärkster Hurrikan in den USA seit zwölf Jahren zahlreiche Häuser dem Erdboden gleichgemacht hat. In der Stadt mit rund 10 000 Einwohnern, die mit schönen Stränden und künstlerischem Flair als eine Perle des Staates gilt, existiert praktisch keine Infrastruktur mehr. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Dennoch wollen viele bleiben – und so bald wie möglich mit dem Wiederaufbau beginnen.
Kathrin BRack