Susanne Krapfl, 50, ist Almfachberaterin beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen. Sie berät Bauern. Aber ein bisschen ist sie auch für Teilzeit-Senner da. Sie erklärt, worauf es ankommt, wenn man Hobby-Hirte auf einer der 709 Almen in Oberbayern sein will.
Geht der Trend zum Sommer auf der Alm?
Es ist schon seit 15, 20 Jahren sehr begehrt, als Almpersonal zu arbeiten. Wir sehen eine große Nachfrage, die aber nicht steigt. Die Personalvermittlung macht der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern, da gehen 40 bis 50 Bewerbungen ein, von Studenten, Rentnern, Schulabsolventen, Pärchen oder Freundinnen, die sich die Almzeiten auch teilen. Aber die meisten Almen werden unter der Hand vergeben.
Wie funktioniert das?
Da übergibt dann eine Freundin an die andere, ohne sich beim AVO zu melden. In der Regel landen diejenigen bei uns, die wenig Erfahrung haben oder von weit her kommen und einen Ansprechpartner suchen oder aber diejenigen, die sich erst recht spät zum Almgang entschlossen haben und selbst keine freien Almen mehr finden.
Reicht ein Crashkurs?
Es braucht schon ein paar Qualifikationen, damit man nicht nach dem ersten Muh der Kuh das Weite sucht. Wenn man es richtig macht, ist es ein Knochenjob. Wenn’s wirklich auf die Alm geht, sollte man in jedem Fall ein bis zwei Wochen Tierhaltungskurs an den staatlichen Schulen absolvieren. Der Schnupperkurs ist nur gut für eine erste Orientierung. Der dauert zwei Tage und ist für Leute, die eine Almidylle vor Augen haben, denen aber klar ist: Da ist mehr dahinter.
Was passiert im Kurs?
Sie arbeiten auf der Alm bei zwei sehr erfahrenen Bäuerinnen mit, müssen melken, käsen, buttern, Vieh umtreiben, einen Zaun bauen, unterwegs sein auf steilem Gelände, bei jedem Wetter. Danach können sie überlegen, ob sie sich das einen ganzen Almsommer lang vorstellen können – also 120 Tage, und nicht nur zwei.
Sind die Bauern zufrieden mit Hobby-Sennern oder sagen die: Meine Güte…?
Beides gibt’s. Wir hatten im Schnupperkurs eine Berliner Physiklehrerin. Da dachten wir: Um Gottes willen. Aber sie war die Beste. Man merkt gleich, wie jemand mit Tieren umgehen kann und hinlangt. Die Frau war dann jeden Sommer auf einer Alm, die Bauern schleckten sich nach ihr die Finger ab. Die wusste, wie’s geht, obwohl sie aus einer ganz anderen Materie kam. Andere sind näher dran und finden den Draht zum Vieh nicht.
Interview: Sophie Rohrmeier